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Die Freiwillige Feuerwehr Stellingen muss bis zu 200 Mal im Jahr ausrücken. Foto: Julia Haas
Die Freiwillige Feuerwehr Stellingen muss bis zu 200 Mal im Jahr ausrücken. Foto: Julia Haas
Ehrenamt

Freiwillige Feuerwehr: Ein Hobby, das Leben rettet

Wenn der Alarm piept, rennen sie los – von der Arbeit, einem Arzttermin oder der Familienfeier. Ihr Hobby ist es, Leben zu retten. Zu Besuch bei der Freiwilligen Feuerwehr Stellingen.

Von Julia Haas

Vier Minuten nach dem Alarm muss das erste Löschfahrzeug die Wache verlassen. Für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Stellingen bedeutet das: Raus aus dem Leben, rein in den Einsatz. Sofort.

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Egal, ob Geburtstagsfeier, Zoom-Call oder Arzttermin, wer Bereitschaft hat, eilt zur Wache. Binnen kürzester Zeit gilt es, im Löschwagen zu sitzen und gemeinsam aus dem Hof der Melanchthonstraße 10 zu rollen.

Schutzanzug statt kurze Hose

Bis zu 200 Mal pro Jahr wird die Freiwillige Feuerwehr in Stellingen alarmiert. Die Einheit ist eine von 86 Freiwilligen Feuerwehren in Hamburg. Alleine im Bezirk Eimsbüttel gibt es sieben weitere. Warum braucht es Freiwillige Feuerwehren? Und was unterscheidet sie von der Berufsfeuerwehr, die in Stellingen nur wenige Straßen entfernt im Basselweg sitzt?

An einem Vormittag im August bleibt eine S-Bahn zwischen Stellingen und Langenfelde stehen. Ein technischer Defekt. Kurze Zeit später erreicht ein Alarm die Wache in Stellingen. Über 100 Fahrgäste warten auf ihre Evakuierung.

Während Feuerwehrmann Lars Krys den Löschwagen aus der Halle in den Hof fährt, füllt sich die Zentrale. Mit dem Fahrrad, im Auto oder zu Fuß – aus allen Richtungen eilen Menschen. Sie tauschen ihre kurzen Hosen und T-Shirts gegen Schutzkleidung und Helme. Wenige Sekunden später sitzen sie im Löschfahrzeug, rasen mit Blaulicht und Sirene davon.

Freiwillige Feuerwehr: Ein Hobby ohne Ausreden

Während es anderen schwerfällt, regelmäßig nach der Arbeit zum Sport zu gehen, hat sich Krys für ein Hobby entschieden, das keine Ausreden zulässt. Und nicht planbar ist. Wenn es im Bezirk brennt, der Alarm piept, stehen Krys und seine Kollegen bereit. Manchmal am frühen Morgen, manchmal mitten in der Nacht.

Seit seinem zehnten Lebensjahr ist Lars Krys bei der Feuerwehr. Vor zwei Jahren hat er die Leitung der Freiwilligen Feuerwehr Stellingen übernommen.

Feuerwehr: Niemand weiß, was passiert

Kein Feuer, kein Unfall, kein vollgelaufener Keller. Die Evakuierung der S-Bahn sei ein ungewöhnlicher Einsatz gewesen, sagt Krys später. Doch auch das gehöre zur Freiwilligen Feuerwehr: Niemand weiß, was ihn beim nächsten Alarm erwartet.

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Immer in Bereitschaft?

Wer Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist, muss nicht 24 Stunden in Bereitschaft sein. Über ein internes Tool können sich die Mitglieder in Alarmbereitschaft versetzen.

Kein Geld, aber ein Danke

Wenn die Stellinger Feuerwehrmänner und -frauen nicht beim Einsatz sind, sind sie Maler, KFZ-Mechatroniker, Anwälte oder Banker. Krys selbst ist gelernter Elektro-Bauleiter, arbeitet als Objektbetreuer, ist verheiratet und hat kleine Kinder.

Dass das Team so bunt gemischt ist, sieht Krys als Vorteil. Jeder kann etwas anderes aus seinem Beruf einbringen. „Dadurch haben wir in manchen Bereichen mehr fachliches Know-How als die Berufsfeuerwehr“, ist sich der Familienvater sicher.

Anders als bei der Berufsfeuerwehr ist der Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr ein Ehrenamt. Es gibt Aufwandsentschädigungen, in Stellingen landen diese in der Wehrkasse. Es gehe darum zu helfen, um das Danke nach dem Einsatz, sagt Krys.

Zum Elbehochwasser in Dresden

Am Einsatzort selbst wird zwischen der Freiwilligen oder der Berufsfeuerwehr nicht unterschieden. Wer alarmiert wird, kommt, löscht und hilft. Für die Bürger ist das die „Feuerwehr Hamburg“, das steht auch bei den Stellinger Einsatzkräften auf der Schutzkleidung. Dadurch wüssten viele nicht, dass es überhaupt Freiwillige Feuerwehren in Hamburg gibt, sagt Krys.

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Mehr Einsätze als früher

Die Zahl der Einsätze für Freiwillige Feuerwehren steigt. Im Jahr 2022 haben die Freiwilligen Feuerwehren in Hamburg 7.272 Einsätze verzeichnet. Zum Vergleich: Im Jahr 2006 waren es 5.634 Einsätze.

Die Wache in Stellingen ist nicht 24 Stunden besetzt. Die Einsatzkräfte werden über einen Pieper alarmiert und kommen dann zur Wache, um dort gemeinschaftlich mit dem Löschfahrzeug auszurücken. Bei einem Stromausfall in Hamburg ist das anders: Dann sind alle Wachen besetzt, um bei Notfällen direkt vor Ort ansprechbar zu sein.

Die Freiwilligen Einheiten sind ein elementarer Anteil, um das Einsatzgeschehen in Hamburg zu bewältigen: Als der Orkan Zeynep im Februar 2022 weite Teile Hamburgs verwüstete, waren die Stellinger Feuerwehrfrauen- und männer 72 Stunden im Einsatz. Bei einem Dachstuhlbrand in der Sternschanze löschten sie nachts über Stunden hinweg die Flammen und betreuten Anwohnende und Nachbarn.

Obwohl die Stellinger Feuerwehr vorrangig Einsätze im und um den Bezirk Eimsbüttel abarbeitet, kommt es immer wieder vor, dass die Einsatzkräfte die Bezirks- oder sogar Stadtgrenzen verlassen müssen. 2013 rückten sie beispielsweise zum Elbehochwasser nach Dresden aus.

Mit anderen über das Erlebte sprechen

Nach einem Einsatz ins „normale Leben“ zurückzukehren, ist nicht immer einfach. Als erstes an einem Einsatzort einzutreffen, bedeutet auch, Schreckliches zu sehen. Zum Beispiel, wenn eine Person von einer Bahn überfahren wurde. „Das sind schlimme Bilder“, sagt Krys.

In solchen Fällen gibt es für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr psychologische Betreuung. Jemand, der nachfragt, ob alles in Ordnung ist. Jemand, der da ist, um über das Erlebte zu sprechen.

Für den Nachwuchs sorgen

Nach Einsätzen setzen sich die Mitglieder in der Wache zusammen. Auch das soll Raum bieten, über die Ereignisse zu sprechen. „Wir sind wie eine Familie“, sagt Krys.

Dazu passt auch, dass sich die Freiwillige Feuerwehr um ihren Nachwuchs kümmert: Es gibt eine Minifeuerwehr und eine Jugendfeuerwehr. Regelmäßige Treffen, bei denen Feuerwehrmänner und -frauen dem Nachwuchs spielerisch Brandschutz vermitteln, sollen erste Einblicke in die Freiwillige Feuerwehr ermöglichen. Und das Nachwuchsproblem abschwächen.

Lars Krys (links), Wehrführer, und Lutz Schneider, Vorstandvorsitzender des Fördervereins der FFS. Foto: Julia Haas
Lars Krys (links), Wehrführer, und Lutz Schneider, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins der FFS. Der Förderverein finanziert durch Mitgliedsbeiträge und Sponsoren Anschaffungen der FFS, die die Stadt Hamburg nicht abdeckt. Foto: Julia Haas
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Neues Hobby?

Die Freiwilligen Feuerwehren Hamburg freuen sich über neue Mitglieder. Für Zugezogene kann es eine Möglichkeit sein, neue Kontakte in der Nachbarschaft zu knüpfen, findet der Stellinger Lars Krys.

Hier findest du die Wehr in deinem Stadtteil.

Voraussetzung für einen Betritt ist es, in dem Stadtteil zu wohnen, in dem die Wache sitzt. Männer und Frauen ab 17 und 63 Jahren können zur Freiwilligen Feuerwehr.

Am 2. September lädt die Freiwillige Feuerwehr Stellingen zu einem Tag der offenen Tür ein.


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