Neue Pläne für Bebauung im Grindelhof – Anwohner protestieren weiter
Im Grindelhof 87 soll gebaut werden. Die Anwohner der umliegenden Häuser protestieren dagegen. Es geht ihnen um Denkmal- und Klimaschutz – und um ein Trampolin.
Von Julia HaasDie Wiese im Grindelhof 87 gehört zu den wenigen Grünflächen in der Nachbarschaft. Für die Kinder aus den umliegenden Häusern war sie bis vor Kurzem eine beliebte Spielfläche. Inzwischen ist sie eingezäunt – nach Angaben der Eigentümer aus Sicherheitsgründen. Gleichzeitig wirkt der Zaun wie ein Vorbote dessen, was hier bald entstehen könnte. Beim Bezirksamt Eimsbüttel liegt ein Bauantrag für ein Gebäude mit 46 Wohneinheiten vor.
Die umliegenden Anwohnenden beschreiben das als Katastrophe. Seit Jahren wehren sie sich gegen die Verdichtung – auch aus Angst um ihre eigenen Wohnungen.
Worum geht es?
Im Mai 2022 hat die Anima Projektentwicklungsgesellschaft das Vorderhaus sowie die begrünte Tiefgarage im Grindelhof 87 erworben. Damals planten die Eigentümer, das sechsstöckige Gebäude zu sanieren und auf der Grünfläche hinten Stadthäuser zu errichten. Die alten Bauanträge wurden inzwischen zurückgenommen, sagt Kay Becker, Sprecher des Bezirksamts Eimsbüttel.
Nun befinden sich zwei neue Anträge in der Prüfung. Demnach soll das Bestandsgebäude abgerissen und durch einen Neubau mit 12 Wohneinheiten und einer Gewerbefläche im Erdgeschoss ersetzt werden. Im Hinterhof sieht der Antrag einen Neubau mit 46 Wohneinheiten vor. Ein Sprecher des Hamburger Projektentwicklers und Eigentümers Anima spricht von einer „Stadtreparatur“. Die Bebauung nehme Bezug auf die historischen Häuser, die dort bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg standen.
Anwohner wehren sich
Bei den Anwohnern der umliegenden Häuser stößt das auf Unverständnis. Das Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg durch eine Fliegerbombe zerstört wurde, sei aus gutem Grund nicht wieder aufgebaut worden. Unter anderem um die Wohnqualität der etwa 100 umliegenden Wohnungen zu erhalten, heißt es in einem Schreiben der Initiative „Wundervolles Grindel“.
Seit Jahren protestieren die Anwohner gegen eine Bebauung der Fläche zwischen den Grindelhof-Terrassen 83 und 89. „Der aktuelle Antrag vereint die Nachteile aller bisherigen Pläne“, sagt Vitus Brüning, der im Nachbarhaus wohnt – unter anderem, weil dichter gebaut würde, als in früheren Plänen vorgesehen war. Statt Stadthäusern sieht der aktuelle Bauplan ein zusammenhängendes Terrassenhaus vor, das an die Hausfassade vom Grindelhof 83 anschließt.
Weniger Sonnenlicht, mehr Probleme?
Die Anwohnenden fürchten um die Substanz der umliegenden denkmalgeschützten Grindelhof-Terrassen. „Die Häuser sind alt und fragil“, sagt eine Anwohnerin. Dass die Vorkriegsbauten die Bauarbeiten in der unmittelbaren Nachbarschaft schadenfrei überstehen würden, bezweifeln die Mitglieder der Initiative.
Hinzu komme die Befürchtung, dass der Neubau die Umgebung verschatte. Bereits jetzt gebe es Probleme mit der Feuchtigkeit. „Wie soll das ohne Sonnenlicht werden?“, fragt eine Bewohnerin.
„Wir müssen entsiegeln, hier passiert das Gegenteil“
In der Vergangenheit hatten sich mehrere Eimsbütteler Fraktionen in der Bezirksversammlung dafür eingesetzt, dass im Hinterhof nicht gebaut wird. Die Beschlüsse wurden vom Hamburger Senat aufgehoben.
Vonseiten der Initiative heißt es dazu: „Natürlich brauchen wir Wohnraum, wir brauchen aber auch Freiraum zum Leben.“ Es geht darum, dass es im Grindelviertel kaum bepflanzte Grünflächen gibt, die an heißen Tagen für Abkühlung sorgen. „Wir müssen Flächen entsiegeln, hier passiert das Gegenteil“, sagt eine Frau, die seit Jahrzehnten in den Grindelhof-Terrassen lebt.
Aus der Stadtklimaanalyse von Hamburg im Jahr 2023 geht hervor, dass der betroffene Bereich bereits jetzt stark belastet ist.
Streit um Trampolin
Ob die aktuellen Bauanträge eine Genehmigung erhalten, wird das Bezirksamt Eimsbüttel entscheiden. Bis dahin beschäftigt die Nachbarschaft noch ein anderes Thema: Im August hatte der Eigentümer die Grünfläche mit einem Bauzaun abgesperrt. Ein Trampolin, das dort seit über 10 Jahren für Nachbarskinder stand, müsse entfernt werden, schreiben die Eigentümer in einem Aushang.
Für die benachbarten Anwohner wirke es so, als würde der Eigentümer den Streit nun eskalieren lassen wollen. Man habe sich mit dem Voreigentümer darauf geeinigt, dass das Trampolin dort stehen dürfe.
Die Anima sieht das anders: „Dafür gibt es keinen Vertrag und es wurde auch nie eine Anmietung angefragt.“ Die Nutzung sei lediglich geduldet worden. Aufgrund von Beschwerden aus dem Umfeld und wegen des Verletzungsrisikos am Trampolin habe man sich entschieden, den Zugang zu beschränken. Auch, weil der Eigentümer der Fläche bei einem Unfall mithafte.
Bauzaun nicht zulässig?
Möglicherweise wird der Zaun dennoch bald wieder verschwinden. Laut Bezirksamt Eimsbüttel liege keine Genehmigung dafür vor. Die Projektentwicklungsgesellschaft wolle das nun prüfen.
Im Zusammenhang mit den Falkenried-Terrassen in Eppendorf wird häufig von einem Hinterhofidyll gesprochen. Diese Vision hat eine Hamburger Architektin auch für den Grindelhof.
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