Kürzungen an der UHH: Wie der Sparkurs den Hochschulalltag verändert
Die Kürzungen an der Universität Hamburg werfen grundlegende Fragen auf: Wie kann gespart werden, ohne die Qualität von Studium und Lehre zu gefährden? Ein Blick auf die Perspektiven von Studierenden, Lehrenden, Universität und Politik.
Von Ella SchinkelDie Universität Hamburg steht vor einem schwierigen Balanceakt: Während sie ihren Status als Exzellenzuniversität sichern und im internationalen Wettbewerb bestehen will, wächst der finanzielle Druck auf den Hochschulbetrieb. Studierende berichten bereits von spürbaren Einschränkungen im Alltag, Lehrende warnen vor steigender Belastung und weniger Planungssicherheit. Kann Hamburg trotz Sparmodus langfristig eine qualitativ hochwertige Lehre gewährleisten?
Haushaltsdruck erreicht die Universität Hamburg
Die Universität Hamburg (UHH) steht – wie das gesamte deutsche Wissenschaftssystem – unter erheblichem Konsolidierungsdruck. Zwar sei das Gesamtbudget in den vergangenen Jahren gestiegen, doch das reiche nicht aus, um Kostensteigerungen sowie den wachsenden Aufgaben- und Investitionsbedarf vollständig auszugleichen, heißt es von der Universitätsleitung auf Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten. Bereits jetzt bestehe ein strukturelles Haushaltsdefizit von rund 22 Millionen Euro.
Wie groß der finanzielle Druck ist, zeigt auch der neue Haushaltsentwurf für 2027/28 der Stadt Hamburg. Für die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung (BWFG) sind demnach im Jahr 2027 Mittel in Höhe von 1,744 Milliarden Euro vorgesehen. Damit könnten die Bedarfe zwar nicht vollständig gedeckt, aber wichtige Grundpfeiler der Wissenschaft und Bildung in Hamburg gestärkt werden, so die Hamburger Finanzbehörde.
Exzellenzstrategie gesichert trotz Sparmaßnahmen
Für die Universität Hamburg bedeutet das: Die Exzellenzstrategie soll wie vorgesehen weiter finanziert werden. Die Förderung der Universität als Exzellenzuniversität bleibe damit bis 2032 bestehen.
Eine schwer nachzuvollziehende Schwerpunktsetzung für viele Studierende: Während große Forschungsprojekte und die Exzellenzförderung gesichert werden, erleben sie nach Angaben des AStA bereits die Folgen der Sparmaßnahmen im Studienalltag.
Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Literaturversorgung: Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg teilte zuletzt mit, neue Literatur könne aktuell nur noch eingeschränkt angeschafft werden. Gleichzeitig führen finanzielle Einschränkungen dazu, dass Bibliotheksangebote wie Öffnungszeiten zunehmend unter Druck geraten. Eine Benachteiligung, die insbesondere arbeitende Studierende betreffe, die auf Randzeiten angewiesen seien, heißt es vom AStA.
Studierende und Lehrende protestieren gegen Sparpläne
Aus der Kritik an den Kürzungen ist inzwischen sichtbarer Protest entstanden. Bei einer Demonstration am 11. Juni beteiligten sich nach Angaben des AStA rund 7.000 Menschen. Die hohe Teilnehmerzahl verdeutliche, dass viele Studierende die aktuellen Entwicklungen als zunehmend belastend wahrnehmen.
Auch Dozierende hätten bereits im Vorfeld in zahlreichen Veranstaltungen auf die Aktion aufmerksam gemacht. Die Kürzungspolitik sei dadurch auch innerhalb der Lehrveranstaltungen immer wieder Thema gewesen.
Die Verbindung zwischen Studierenden und Lehrenden zeigt: Die Sorge um die Folgen der Einsparungen betrifft nicht nur den Studienalltag, sondern auch die Bedingungen, unter denen die Lehre an der Universität stattfindet.
Verunsicherung unter den Lehrenden
Ein Lehrender der Universität Hamburg aus dem Fachbereich Sozialwissenschaften, der anonym bleiben möchte, beschreibt im Gespräch mit den Eimsbütteler Nachrichten vor allem die zunehmende Unsicherheit unter den Beschäftigten als Problem.
Viele Mitarbeitende hätten befristete Verträge. In den vergangenen Monaten sei es mehrfach vorgekommen, dass Verlängerungen zunächst zugesagt worden seien, diese Zusagen durch neue Richtlinien der Fakultät jedoch nicht mehr eingehalten werden konnten. Dies führe zu großer Verunsicherung und erschwere die langfristige Planung für Beschäftigte.
Auch die Universitätsleitung räumt ein, dass die Einsparungen bereits zu einem Rückgang des wissenschaftlichen Personals und in mehreren Bereichen zu spürbaren Belastungen geführt hätten. Die Universität nehme diese Entwicklungen ernst und benenne die bestehenden Herausforderungen offen.
Strukturelle Reformen oder kurzfristige Einsparungen?
Während die Pressestelle der Universität Hamburg betont, dass die aktuellen Sparmaßnahmen kein kurzfristiges Sparziel seien, sondern Teil einer langfristigen Strukturanpassung, kritisiert der Lehrende fehlende umfassende Reformen.
Aus seiner Sicht würden die Sparvorgaben lediglich vom Präsidium an die Fakultäten weitergegeben. Die konkrete Umsetzung werde anschließend an Fachbereiche und Lehrstühle weitergereicht. „Immer schön nach unten treten“, fasst der Lehrende den Prozess zusammen. Auch der AStA beschreibt die Situation ähnlich.
„Die Qualität der Lehre hat bereits abgenommen“
Die kurzfristige Umsetzung der Sparvorgaben stelle die Fakultäten vor große Herausforderungen, so der Lehrende. Da die Einsparungen ohne längere Vorlaufzeit umgesetzt werden müssten, bleibe kaum Zeit für umfassende Planungen. Dadurch würden kurzfristige Einsparungen vor allem dort vorgenommen, wo sie schnell umsetzbar seien – häufig im Personalbereich.
Neben administrativen Stellen seien auch Forschungs- und Lehrstellen betroffen, wodurch sich die Belastung für Dozierende weiter erhöhe. „Die Qualität der Lehre hat bereits abgenommen.”
Exzellenzcluster – Fluch oder Segen?
Ein weiterer Grund zur Sorge seien die Exzellenzcluster der Universität Hamburg. Zwar versichere die Behörde, die Förderung der Cluster sei gesichert, gleichzeitig müsse die Universität bereits heute zusätzliche Mittel einplanen, um geschaffene Stellen auch dann finanzieren zu können, falls einzelne Cluster ab 2032 ihren Exzellenzstatus verlieren sollten, erklärt der Lehrende.
Alle derzeitigen Exzellenzcluster befinden sich bereits in der zweiten Förderphase. Ob sie nach der nächsten Vergaberunde erneut ausgezeichnet werden, ist unklar. „Die Exzellenz fällt uns damit doppelt auf die Füße“, fasst der Lehrende zusammen.
Aus Sicht der Universität Hamburg sei die Sicherung der Finanzierung der Zukunftsverträge und der Exzellenzstrategie durch die Stadt ein „positives Signal und wichtiger Zwischenstand“. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass dies für eine nachhaltige Grundfinanzierung nicht ausreiche.
Forderungen des AStA: Mehr Geld für die Hochschulen
Für die Studierendenvertretung ist klar: Um die aktuelle Situation zu verändern, brauche es zusätzliche finanzielle Mittel. Der AStA fordert von der Stadt Hamburg im aktuellen Haushalt 30 Millionen Euro für die Universität Hamburg sowie die vollständige Ausfinanzierung der anderen staatlichen Hochschulen in Hamburg.
Darüber hinaus müsse die Finanzierung künftig automatisch an Inflation und Tarifsteigerungen angepasst werden. Nur so könne der Wissenschaftsstandort Hamburg langfristig gesichert werden.
Die Kritik des AStA richtet sich dabei auch gegen die politische Begründung der Kürzungen. Während der Finanzsenator auf bestehende Sachzwänge verweise, sehe der AStA die Notwendigkeit, die Strukturen dahinter grundsätzlich zu hinterfragen. Wissenschaftsfreiheit könne nur in einer Gesellschaft gewährleistet werden, in der nicht Profit, sondern das Gemeinwohl im Mittelpunkt stehe.
BWFG verweist auf Investitionen und Zukunftsprojekte
Die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung nimmt die Sorgen angesichts der angespannten Haushaltslage nach eigenen Angaben ernst. Mit Blick auf die kommenden Jahre verweist sie auf geplante Investitionen, insbesondere den Hamburger Investitionsbooster. Der Forschungs- und Wissenschaftsbereich gehöre dabei zu den Bereichen mit dem größten Mitteleinsatz aus dem Sondervermögen des Bundes in Hamburg, heißt es von der Pressestelle der Behörde.
Die Universität Hamburg betont hingegen, dass neben einzelnen Investitionen vor allem eine zukunftssichere Grundfinanzierung notwendig sei, die über mehrere Jahre Planungssicherheit schaffe. Studierende sollten weiterhin unter guten Bedingungen und auf hohem wissenschaftlichem Niveau ausgebildet werden können. Die Universität verstehe sich auch künftig als attraktiver und verlässlicher Studienort.
Wie werden Mittel im Hamburger Haushalt verteilt?
Die Aufteilung der Haushaltsmittel erfolgt in einem mehrstufigen Verfahren, das in der Hamburger Landeshaushaltsordnung (LHO) geregelt ist. Grundlage der Entscheidungen sind unter anderem die politischen Schwerpunkte des Senats, die finanziellen Spielräume des mittelfristigen Finanzplans sowie die Bedarfsanmeldungen der einzelnen Behörden. Auf Vorschlag der Finanzbehörde beschließt der Senat den Haushaltsentwurf. Die endgültige Entscheidung über die Verteilung der Mittel trifft anschließend die Hamburgische Bürgerschaft im Rahmen der Haushaltsberatungen.
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