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Lars Meier hat die PR-Agentur "Gute Leude Fabrik" gegründet. Foto: Martina van Kann
Lars Meier hat die PR-Agentur "Gute Leude Fabrik" gegründet. Foto: Martina van Kann
Magazin #31

Lars Meier bewegt Hamburg

Lars Meier kommen Ideen auf dem Sofa – daraus macht er Projekte, die ­Millionen bewegen. Hamburgs Hobby-Helfer über seinen inneren Punk, ­Eimsbüttels Altpapier­tonnen und den Antrieb hinter seinem Engagement.

Von Alana Tongers

Lars Meier bewegt Hamburg – und bringt die Stadt zum Stillstehen. Es ist der 23. Februar 2023. In der Ukraine herrscht seit einem Jahr Krieg, und in Hamburg fahren keine U-Bahnen.

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Lars Meier hatte die Idee, rief bei der Hochbahn an, innerhalb von zehn Tagen entsteht die Aktion „Hamburg steht still”. Rund 750 Hamburger Unternehmen beteiligen sich an der Gedenkminute.

Ins-Leben-Rufer

Meiers Schaffen lässt sich so schwer in einem Satz verpacken wie ein Schlafsack in den ­angeblich passenden Beutel. Beim letzten Abi-Treffen habe ihm ein ehemaliger Mitschüler gesagt: „Eigentlich steckst du immer noch in der Schulzeit.”

Damals hat er für die Abi-Zeitung geschrieben, Anzeigen verkauft, Veranstaltungen organisiert. Und irgendwie macht er das noch ­heute: Er ist Künstlermanager, PRler, Radiosender-Besitzer, Ins-Leben-Rufer. Darauf angesprochen winkt er ab. „So viel ist das gar nicht.”

Neben dem geschrieben Wort ist Musik in Meiers Leben

Lars Meier wuchs in ­Nieder­sachsen auf. Mit 21 gründete er seine erste Agentur. Mit 23 das erste Magazin. Dazwischen brach er sein Studium ab: „Meine Mutter hat das erst ein Jahr später erfahren.”

Er organisierte Konzerte, erfand ein Straßenfest. Denn neben dem geschriebenen Wort ist da die Musik in Meiers Leben: Überall, wo schnelle Gitarren und namenlose Punkbands waren, musste er auch sein. Er fuhr damals zweieinhalb Stunden zu Michelle Records nach Hamburg, um Platten zu kaufen.

Wenn er heute nach Hause kommt, läuft bei ihm Musik, bevor er den Lichtschalter gedrückt hat. Nur ­selber hat er nie ein Instrument gespielt. Bis auf die paar Wochen Schlagzeug in ­einer Punkband mit Freunden. Aber mehr zum Biertrinken als für alles andere.

Innerer Punk vs. Eimsbush

Auch wegen der Musik lebt er seit 1996 in Hamburg. Schnell war klar, dass ihn hier nichts wegbekommt – an der Elbe war immer genug los. Höchstens New York lockte noch: Die Stadt, die nie schläft, ist mittlerweile seine zweite Heimat. Eimsbüttel die erste. Samstags, gerne in Bandshirt und Sneakern unterwegs, besucht er den Markt in der Grundstraße. Dann „in die City” – auf die Osterstraße. Eimsbush ist Zuhause. Ab und an rebelliert der 14-jährige Punk in ihm gegen die Spießigkeit im Stadtteil – und gegen die vollen Papiertonnen. So schnell wird er nicht wütend, aber die Karton-Berge in der selbsternannten Ökosiedlung? „Sauerei!”

„N-Klub“ für mehr Nachhaltigkeit

In den 90ern ist Meier der Mann für Klatsch und Tratsch bei der Hamburger Morgenpost. Er er­kundet das Ham­burger Nachtleben, schreibt über Dieter Bohlens ­weibliche Begleitungen und die Tanzflächen der Stadt. In ­dieser Zeit sammelt er Kontakte, bis er ­seine Künstler-Agentur ­gründet.

Aber dabei bleibt es nicht. Mit der Gute Leude Fabrik macht er PR. Mit dem N-Klub ­kümmert er sich um Nachhaltigkeit. Auch wenn er ­zwischen all den Projekten nie ein „favorite child” benennen würde – am Ende geht es ­immer um seinen gemeinnützigen Verein „Mensch Hamburg“, mit dem er sich um die Stadt kümmert, die es ihm so angetan hat. Das Ziel ist es, Geld mit Spaß zu sammeln. „Nicht mit hungernden Kindern oder zahnlosen alten Leuten.” Sondern mit Kamelrennen auf dem Hamburger Dom oder Mau-Mau-Turnieren.

Keiner kommt, alle machen mit

2020 ging das plötzlich nicht mehr. Da kam Corona, der Stillstand – und Lars Meier die nächste Idee. Auf dem Sofa, wo ihm die besten Dinge einfallen. Ein Musikfestival, für das alle Tickets kaufen – aber keiner kommt. Keine Zuschauer, keine Musiker. Die Beatles kommen nicht. Billie Eilish nicht. Und Abba erst recht nicht.

Stattdessen fließt das Geld, das Fans für Tickets, Aftershowparty und Merchandise bezahlen, direkt in die Hamburger Kulturszene. Im ersten Interview zu seinem „Nicht-Festival” erzählt Meier, er wolle 50.000 Euro sammeln. Und denkt danach: „Wärst du bloß nicht so großmäulig gewesen.” Am Ende sammelt der „Mensch Hamburg“-Verein rund 1,1 Millionen Euro. Und so hörte ­dieses wunderliche Projekt so auf, wie viele von Meiers Arbeitstagen: anders, als er es sich am Anfang vorgestellt hat.

„Danke, Lars!“

Am 23. Februar 2023, um 12 Uhr, steht Lars Meier auf dem Rat­hausplatz. Bahnen und Busse ­fahren nicht. Radiosender unter­brechen ihr Programm. Am Flughafen wird es ruhig. In den Schwimmbädern ­stoppen Menschen beim Bahnenziehen. Hamburg steht für eine Minute still, so wie Lars Meier es sich wenige Tage vorher überlegt hatte.

Als er nach Hause kommt, brummt sein Handy. Dutzende Kinder aus dem Bekanntenkreis schicken ihm Sprachnachrichten. „Danke, Lars!”, sagen sie. Die Gedenk­minute hat es bis in die Grundschulen der Stadt geschafft.

Meier wird öfter gefragt, woher sein Helfergen komme. Er zuckt dann mit den Schultern. „Ich habe keinen besonders evangelischen Haushalt genossen oder so”, sagt er. Irgendwie sei das in ihm drin gewesen. Hinterfragt hat er das nie – Zeit dazu hat er ­sowieso nicht. Die steckt er lieber in die ­nächste Idee.


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