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Kay Gätgens ist seit Ende 2016 Bezirksamtsleiter in Eimsbüttel. Foto: Bina Engels
Interview

„Leute, stellt Anträge!“: Bezirksamtsleiter Gätgens im Interview

Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Kay Gätgens (SPD) spricht über volle Fördertöpfe, Gedränge auf Eimsbüttels Wochenmärkten und die Detektive vom Gesundheitsamt.

Von Alana Tongers

Eimsbütteler Nachrichten: Herr Gätgens, im Bezirk Eimsbüttel gibt es sehr dicht besiedelte Stadtteile. Ist die Gefahr, sich hier mit dem Coronavirus zu infizieren, besonders hoch?

Kay Gätgens: Ich würde es anders ausdrücken. In den dicht besiedelten Stadtteilen ist es besonders wichtig, dass die Menschen die Abstandsregeln einhalten und die Hygienevorschriften beachten. Aus meiner Beobachtung halten sich die allermeisten Menschen daran. Aber manche sind doch zu sorglos. Und das kann dann zum Problem werden.

Wie ist die aktuelle Lage in den einzelnen Stadtteilen?

Der Senat informiert täglich über die Lage und gibt aktuelle Zahlen heraus. Auf die Veröffentlichung kleinteiliger Daten wird bewusst verzichtet, um nicht einzelne Stadtteile zu stigmatisieren. Das finde ich gut und richtig. Ich bin froh, dass die Fallzahlen in Hamburg derzeit „nur“ linear steigen, so dass unsere Gesundheitseinrichtungen in der Lage sind, schwerer erkrankte Patienten aufzunehmen und zu behandeln.

Neben den geltenden Verordnungen und Allgemeinverfügungen: Mit welchen Maßnahmen schützen Sie den Bezirk Eimsbüttel?

Der Hauptfokus liegt auf der Arbeit in unserem Gesundheitsamt: Wir haben die Mitarbeiterzahl dort auf aktuell fast 90 Personen verdreifacht. Ihre wichtigste Aufgabe ist Detektivarbeit – sie müssen Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig machen und informieren. Je nach Nähe und Dauer des Kontakts wird dann entschieden, wer in häusliche Quarantäne muss. Die Arbeit unseres Gesundheitsamtes ist ein ganz wichtiger Baustein, um die Coronakrise zu bewältigen.

Das schöne Wetter lockt die Eimsbütteler aus ihren Wohnungen. Gerade am Wochenende waren viele Spaziergänger in Parks unterwegs. Inwiefern sind weitere Einschränkungen und Kontrollen geplant?

Die Polizei kontrolliert die Einhaltung der Regeln, ermahnt und verhängt auch Bußgelder. Ich selbst stehe fast täglich im Austausch mit der Polizei und wir verständigen uns darüber, wo wir als Bezirksamt unterstützende Maßnahmen ergreifen können, um vor allem das Abstandsgebot sicherzustellen.

Unsere Beschilderungen und Markierungen an der Alster sind ein Beispiel dafür, damit Spaziergänger und Jogger Abstand halten, um sich selbst und andere zu schützen. Wir bewerten und beurteilen die Lage in unserem Krisenstab immer aktuell, um gegebenenfalls weiter nachsteuern zu können.

Viele Wege in Eimsbüttel sind schmal und stark frequentiert – am Isebekkanal ist es zum Beispiel schwierig, anderen Spaziergängern auszuweichen. Wie wollen Sie diese Wege sicherer gestalten?

In unserem Bezirk sind die Alster und die Promenade am Isebekkanal Hotspots. Wir haben an die 100 Schilder aufgehängt und an der Alster den Fußweg mit Hilfe eines Kreidestrichs geteilt. An der Alster und am Isebekkanal haben wir aktuell die Wegeführung für Jogger verändert, um auch hier noch einmal das Abstandsgebot zu unterstützen.

Zum allergrößten Teil funktioniert das auch gut. Ich kann nur appellieren, dass die Leute diszipliniert bleiben. Auch am Osterwochenende, wo es viele Leute ins Freie zieht. Ansonsten müssten wir die Flächen sperren, aber das kann niemand ernsthaft wollen. Die Menschen dürfen und müssen an die frische Luft.

Händler berichten, dass seit Beginn der Corona-Krise wieder mehr Menschen auf dem Wochenmarkt einkaufen. Was tun Sie, um das Einkaufen dort sicher zu gestalten?

Wir haben auf allen unseren Märkten Maßnahmen ergriffen und zum Beispiel die Abstände zwischen den Ständen vergrößert. Auch die Händlerschaft hat vor den Ständen Slots eingerichtet, damit die Kundinnen und Kunden sich nicht mehr so dicht drängeln.

Gerade auf dem ohnehin engen Isemarkt waren wir gefordert. Hier haben wir die Stände zu den Straßen hin verrückt, damit die Gasse, durch die die Kundinnen und Kunden laufen, größer wird. (Ich muss aber hier einmal ein Kompliment an die Besucherinnen und Besucher machen: Die allermeisten sind sehr diszipliniert und geben auf sich und andere Acht!)

Besonders kleine Einzelhändler und Gastronomen leiden unter den anhaltenden Beschränkungen. Die Gelder der Hilfspakete werden sie nur für kurze Zeit über die Runden bringen. Was tun Sie, damit diese Läden Eimsbüttel erhalten bleiben?

Dies ist Aufgabe des Bundes und des Senats. Ich habe aber den Eindruck, dass alle an einem Strang ziehen und sich einig sind: Wirtschaft, Kultur, Sport brauchen bestmögliche Unterstützung. Am Ende geht es hier um Existenzen! In Hamburg haben Betriebe und Selbstständige bislang 36.000 Anträge auf Hamburger Corona-Soforthilfe gestellt, 300 Millionen Euro sind bereits angewiesen. Zudem gibt es Förderkredite für Kultur und Sport. Das ist schon einmal ein echtes Pfund.

Die Fördertöpfe sind längst noch nicht leer. Ich kann alle, die jetzt Hilfe brauchen nur ermutigen: Leute, stellt Anträge! Ob das alles reichen wird und welche Auswirkungen noch abzufangen sind, ist aus meiner Sicht stark abhängig vom Zeitraum, wie lange die Einschränkungen noch Bestand haben werden.

Wie beeinflusst das Coronavirus Ihre Arbeit und die der Bezirksversammlung?

Zu rund achtzig Prozent meiner Arbeitszeit kümmere ich mich um Themen rund um Corona. Im Bezirksamt haben wir einen Krisenstab eingerichtet, der die wichtigsten Themen steuert. Aber es geht auch darum, wie wir aus der Not eine Tugend machen können. Wir ziehen Baustellen in die verkehrsärmere Zeit und pflegen jetzt die Spielplätze, da sie ohnehin leider gesperrt sind.

Wie sollten sich die Eimsbütteler über die Ostertage verhalten?

Das ist eindeutig: Bitte weiter an die Regeln halten! Auch wenn es über Ostern vielleicht besonders schwer fallen mag und man manche Zahlen vielleicht so deuten kann, dass sich die Lage verbessert hat. Aber das ist noch trügerisch. Wir müssen geduldig und besonnen bleiben. Denn wir alle wollen, dass das öffentliche Leben möglichst schnell wieder hochfährt. Und ansonsten wünsche ich allen Leserinnen und Lesern frohe Ostern!

Vielen Dank für das Interview!


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