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Die "Asso" war der erste von ausländischen Arbeitern in Deutschland gegründete Verein - hier bei einer politischen Veranstaltung am 1. Mai 1974. Foto: Privatarchiv Kempe/Arnedo
Portugiesische Hamburger

„Fühlt sich hier sehr portugiesisch an“

Pastelarias und portugiesisches Lebensgefühl: Warum ist Hamburg so portugiesisch wie keine andere Stadt in Deutschland? Wir haben nachgefragt.

Von Julia Haas

Über 10.000 Portugiesen leben in Hamburg, prägen Stadt und Leben. In seinem Buch „Die portugiesischen Hamburger“ erzählt Martin Kempe (77) die Geschichte der portugiesischen Migrationswelle nach Hamburg. Lina Almeida (79) und Isabel Arnedo Campina (64), die in Portugal geboren sind und seit mehreren Jahrzehnten in Hamburg – zeitweise auch Eimsbüttel – wohnen, haben ihn dabei begleitet. Im Interview erzählen sie von den Brücken zwischen Hamburg und Portugal.

Eimsbütteler Nachrichten: Das Buch zeichnet ein Bild der portugiesisch-hamburgischen Geschichte. Wie kam es zu diesem Projekt?

Lina: Alles begann im Völkerkundemuseum. 2014 gab es dort eine Ausstellung über das portugiesische Leben in Hamburg – genau 50 Jahre, nach dem deutsch-portugiesischen Anwerbeabkommen. Dabei kamen so viel Bilder, Biografien, Geschichten und Ereignisse zusammen, dass Professor Köpke, ehemaliger Direktor des Museums, meinte: ‚Wir wissen so viel, machen wir ein Buch daraus.‘

Dann haben wir Martin gefragt, ob er Zeit und Lust dazu hat: Wir stellen die Geschichten, er schreibt.

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Über den Autor

Martin Kempe ist Journalist und Autor. Er war an der Gründung der „taz“ beteiligt und schrieb als Chefredakteur für die „ver.di“-Mitgliederzeitung. Kempe lebt in Eimsbüttel.

Eimsbütteler Nachrichten: Martin, welche Berührungspunkte hast du zur portugiesischen Community?

Martin: Meine Frau und ich haben Bekannte in der Community. So sind sie auf mich als Autor gekommen. Durch das Buch habe ich viel gelernt und bin tiefer in die portugiesisch-hamburgische Szene eingetaucht. 

Eimsbütteler Nachrichten: „Die portugiesischen Hamburger“ – stand der Buchtitel von Anfang an fest?

Lina: Keineswegs, wir haben lange nach einem passenden Titel gesucht. Dabei haben wir uns gefragt, für wen schreiben wir dieses Buch? Für die erste Generation, die als Migranten hierher kam? Oder die folgenden, die hier aufgewachsen sind oder aufwachsen? Schließlich entwickelte sich ein Buch für junge Menschen, die hier leben und sich fragen: Wo liegen unsere Wurzeln? Was ist unsere Identität? Viele von ihnen – zum Beispiel meine Kinder – sind Hamburger. Mit einem Unterschied: Sie sind portugiesische Hamburger. Sie sind in zwei Kulturen aufgewachsen – das ist ein Reichtum.

Eimsbütteler Nachrichten: Martin, du sagst, keine andere Stadt in Deutschland ist so portugiesisch wie Hamburg. Woran machst du das fest?

Martin: In Hamburg gibt es überall portugiesische Pastelarias. In anderen Städten findet man das so nicht. Klar, es gibt auch in Berlin portugiesische Restaurants, aber die sind nicht so auffällig, nicht so prägend für das Stadtbild und das Leben der Menschen.

»Portugal war immer gegenwärtig – so wie in allen Vierteln, die früher ärmer waren.«

Lina: Ich stelle das vor allem in den vielen Konditoreien mit portugiesischen Kuchen fest, aber auch auf den Straßen. Als ich nach Deutschland kam, habe ich die Cafés draußen vermisst. Damals hieß es, aus hygienischen Gründen sei es nicht möglich, im Freien zu essen und zu trinken. Das konnte ich nicht nachvollziehen. Bei uns war das selbstverständlich. Mittlerweile schaut man nach links und rechts und überall bieten Cafés draußen Sitzplätze an. Das hat sich geändert und fühlt sich sehr portugiesisch an. Ich fühle mich hier mittlerweile mehr zuhause als in Lissabon. 

Isabel: Ich habe lange Zeit in der Rentzelstraße gewohnt. Da war Portugal immer und überall gegenwärtig – so wie in allen Vierteln, die früher ärmer waren: im Schanzenviertel, in St. Pauli und so weiter. Ein wichtiger Treffpunkt für Portugiesen waren dort die Vereine. Es gab einen großen in Eimsbüttel.

Eimsbütteler Nachrichten: Was war das für ein Verein?

Lina: Die „Associação Portuguesa“ – kurz „Asso“ – war der erste von ausländischen Arbeitern in Deutschland gegründete Verein. Er wurde 1964 gegründet. Irgendwann ist der Verein nach Eimsbüttel in die Heinrichstraße gezogen und blieb dort, bis er sich 2013 auflöste.

Eimsbütteler Nachrichten: Machten es diese Brücken zu Portugal einfacher, in Hamburg eine Heimat zu finden?

Isabel: Ja, in Hamburg kann ich alles haben, was ich in Portugal habe.

Lina: Die Brücken aber auch die Hamburger machten es einfacher. Ich habe hier viel Großzügigkeit und Ehrlichkeit erfahren. Es haben sich viele familiäre Beziehungen gebildet. Noch heute habe ich Freunde, die mir 1964 geholfen haben. Als ich hierher kam hatte ich die Vorstellung, dass die Deutschen kühl seien. Das sind sie am Anfang auch, aber wenn man diese Eisschicht durchbricht, hat man wahre Freunde für das ganze Leben.

Martins Buch erzählt von so vielen glücklichen Zufällen, von Menschen, die uns einfach geholfen haben. Und ich denke, genau darum geht es: Hilfe anbieten und annehmen. Das gilt auch für die aktuellen Migrationswellen. Sie brauchen Unterstützung, um an sich selbst zu glauben und so ihren eigenen Weg zu finden.

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„Die portugiesischen Hamburger – Eine besondere Geschichte von Arbeit und Leben“

In seinem Buch zeichnet Martin Kempe ein Bild der portugiesisch-hamburgischen Geschichte – angefangen mit dem Anwerbeabkommen 1964 bis heute. Kempe sammelt darin Geschichten und Erfahrungen verschiedener Arbeitsmigranten – auch von Lina und Isabel. Die Buchidee resultierte aus einer Ausstellung im Völkerkundemuseum über das portugiesische Leben in Hamburg. Herausgeben wurde das Buch von der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel und der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen.

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