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Drei Ladeninhaber aus Eimsbüttel erzählen von ihrer portugiesisch-hamburgischen Geschichte. Foto: Julia Haas
Drei Ladeninhaber aus Eimsbüttel erzählen von ihrer portugiesisch-hamburgischen Geschichte. Foto: Julia Haas
Portugiesische Hamburger

Ladeninhaber erzählen: „Haben Portugal nach Hamburg gebracht“

Portugiesische Cafés und Restaurants prägen das Eimsbütteler Stadtbild. Wir haben drei Ladeninhaber nach ihrer portugiesisch-hamburgischen Geschichte gefragt.

Von Julia Haas

Die Pampi, Pastelaria Transmontana und Café David – drei portugiesische Läden in Eimsbüttel, drei unterschiedliche Geschichten. Die Inhaber haben uns von ihrer Verbindung zu Portugal erzählt. Über die neue Heimat und die Sehnsucht nach der alten.


Michael Dörries (45) von Die Pampi

Michael Dörries betreibt die Die Pampi Stores in der Osterstraße und im Heußweg. Bis 2019 leitete er das gleichnamige portugiesische Café im Hellkamp. Wie der Name seiner Läden stammt auch er aus Portugal. 

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Als Kind nervten Michael Dörries die portugiesischen Volksfeste und der Sprachunterricht, heute ist er seinen Eltern dafür dankbar. Foto: Julia Haas

„Ich bin in Altona geboren und aufgewachsen. Meine Mutter kommt aus Portugal, mein Vater aus Deutschland – somit hatte ich das Glück, beide Kulturen kennenzulernen. 

Meine Tanten kamen mit dem ersten Schub der Gastarbeiter in den 60ern nach Hamburg, später folgte ihnen meine Mama – sie war damals 16. Ihre Lieblingstante wohnte in Eimsbüttel in der Unnastraße, also wollte sie auch dorthin. Später hat sie hier meinen Vater kennengelernt. 

Deutsch musste sich meine Mutter mit der Hilfe meines Vaters selbst beibringen. Mit Händen und Füßen hat das irgendwie geklappt, heute spricht sie sehr gut deutsch. Als ich sieben war, wollte mein Vater, dass auch ich Portugiesisch lerne. Im Dohrnweg gibt es eine katholische Schule, wo ich zweimal in der Woche zum Unterricht ging – von 14 bis 18 Uhr. Für mich als Kleinkind war das eine Bestrafung. Heute bin ich meinen Eltern dafür sehr dankbar und froh, beide Sprachen und Kulturen zu kennen.

In den Sommerferien sind wir jedes Jahr nach Pampilhosa da Serra in Portugal gefahren. Wenn meine Schwester und ich in der Schule vom Urlaub erzählten, verstand das aber niemand, also haben wir irgendwann einfach “Die Pampi” gesagt. So entstand auch der Name für unsere Läden und das portugiesisches Café, mit dem wir ein Stück Portugal nach Hamburg gebracht haben.

Hier in Hamburg waren wir immer sehr in der portugiesischen Community verankert und haben portugiesische Feste besucht – das volle Programm mit Folklore und Musik. Als Kind hatte ich oft keine Lust dazu, im Nachhinein bin ich froh, dass ich diese Traditionen erleben durfte. Ich habe dann auch ein paar Jahre Folklore getanzt – so richtig mit Auftritten. Dadurch habe ich sehr viel portugiesische Kultur erfahren, und natürlich war auch meine Mutter wahnsinnig stolz. Das war ein tolles Gefühl, und ich hab verstanden: Die jungen Generationen müssen die Traditionen am Leben halten, sonst sterben sie aus. 

Alles in allem würde ich sagen, egal, woher man kommt, seine Wurzeln sollte man nie vergessen. Sie können immer ein Mehrwert sein. Ich habe zwei Heimaten. Beide haben gleich viel Platz in meinem Herzen. Ich könnte mich nie entscheiden – außer beim Fußball, da bin ich für das kleinere Land.“


João Oliveira (40) von Pastelaria Transmontana 

Mit seinem Bruder betreibt João Oliveira zwei portugiesische Bistros in Hamburg. Ihre Pastelaria Transmontana gibt es auf dem Schulterblatt und in der Lappenbergsallee. Die Läden haben sie von ihren Eltern übernommen, die in den 80er-Jahren als portugiesische Gastarbeiter nach Hamburg kamen. 

Joao Oliveira betreibt mit seinem Bruder die Pastelarias Transmontana in Hamburg. Foto: Julia Haas

„Meine Eltern gingen in den 80er-Jahren nach Deutschland, bauten sich hier langsam ein Leben auf. Mein Bruder und ich blieben am Anfang noch bei unseren Großeltern in Portugal und besuchten unsere Eltern immer nur für ein paar Tage in Hamburg. Das ging so bis Weihnachten 1986. Damals – ich war fast sechs – sind wir dann bei ihnen geblieben und meldeten uns in der Schule an.

Für mich war die erste Zeit hier in Deutschland schwierig. Es war eine ganz neue Sprache, ein neues Leben. In Portugal haben wir in einem Dorf gelebt, jeder kannte sich. In einer großen Stadt wie Hamburg ist das Leben ganz anders. Ich hatte immer Angst, mich zu verlaufen und vor allem kannte ich hier niemanden. Das war sehr schwierig. 

Dann fing die Schule an, ich lernte Leute und die Sprache kennen und fand Freunde. Das Leben in Deutschland begann. 

Meine Eltern hatten zu dieser Zeit das Transmontana in der Schanze eröffnet. Mein Bruder und ich haben immer abwechselnd im Geschäft geholfen – auch samstags. Unsere Freizeit war sehr eingeschränkt. 

Später habe ich eine Ausbildung zum Konditor gemacht und im August 2005 fing ich an, fest in den Pastelarias zu arbeiten. Meine Eltern wurden älter und wir – die Kinder – haben alles übernommen. 

Nach Portugal gehen wir nur noch ab und zu in den Sommerferien. Wir haben dort noch Familie – meine Mutter hatte sechs Geschwister, mein Vater sieben -, aber viele unserer Freunde sind auch ins Ausland gegangen. 

Dennoch vermisse ich bis heute vieles und freue mich, wenn die ganzen Erinnerungen wieder hochkommen. Aber man muss nach vorne schauen. Meine Kinder zieht es nicht mehr nach Portugal: Sie haben dort nichts, sie kennen dort nichts, sie sprechen kaum portugiesisch. Alle haben sich an das Leben in Deutschland gewöhnt. Ich plane nicht mehr nach Portugal zurückzukehren. Aber es ist schön, seine Wurzeln zu kennen.“


David Dias (45) vom Café David 

Seit fast 20 Jahren betreibt David Dias das Café David im Grindelhof. Mit 15 kam der Ladeninhaber nach Hamburg, um Geld zu verdienen. Heute versteht er sich als portugiesischer Hamburger. 

David Dias kam mit 15 Jahren alleine nach Hamburg und ist bis heute geblieben. Foto: Julia Haas

„Ich komme ursprünglich aus Coimbra, einer Stadt zwischen Porto und Lissabon. Mit 15 Jahren wollte ich mein eigenes Geld verdienen. Mein Vater kannte damals jemanden aus Hamburg, der hier ein Restaurant besaß. Ich ging zu ihm, wollte hier ein bisschen Geld sammeln und danach wieder nach Portugal zu meinen Eltern und in die Schule. Aber ich bin geblieben. Die Sprache habe ich erst mit der Zeit gelernt, eine Schule habe ich in Deutschland nie besucht. 

Ich habe hier immer in der Gastronomie gearbeitet und irgendwann meine Frau kennengelernt. Mit der Zeit habe ich überlegt, mein eigenes Geschäft zu eröffnen. 2002 haben wir es versucht. Hamburg wurde zu meiner festen Heimat – aber mein Herz schlägt immer noch für Portugal. Wir besuchen meine Familie mindestens einmal im Jahr. Und auch hier in Hamburg suche ich den Kontakt zu anderen Portugiesen. Aber das ist einfach, es gibt viele portugiesische Cafés, Restaurants und Gemeinschaften. Am Hafen im Portugiesenviertel fühlt es sich fast wie zuhause an. Mittlerweile bin ich wohl portugiesischer Hamburger.“


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