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Scherbendoktor Arne Zimmermann
Scherbendoktor Arne Zimmermann. Foto: Marianne Bruhns
Magazin #21

Die Glücksbringer: Scherbendoktor Arne Zimmermann

Hier türmen sich Erinnerungen an glückliche Zeiten, Erbstücke und Urlaubssouvenirs – in Scherben zerborsten. Diese bringen Glück, aber haben will sie trotzdem keiner: Scherbendoktor Arne Zimmermann nimmt sich ihrer an.

Von Marianne Bruhns

Was bedeutet für dich Glück?
Ich halte Glück für einen punktuellen Gefühlszustand. Zufriedenheit, die kann linear sein. Ich bin zum Beispiel sehr zufrieden damit, dass ich diesen Laden hier habe. Zum 25. Jubiläum habe ich eine Urkunde bekommen vom Rathaus, da hätte ich fast geweint vor Freude.

Und was macht dich glücklich?
Mich macht es glücklich, wenn meine Kunden mit meiner Arbeit glücklich sind. Jemand kommt rein und hat eine gewisse Verzweiflung an sich. Wenn er wiederkommt, ist er glücklich, weil es wieder heile ist.

Wir sind kein Rad im Getriebe, sondern wirklich mit der Sorge und dem Glück in Kontakt. Ich habe mir genau die richtige Arbeit ausgesucht. Damit habe ich zwar nie gerechnet, aber je älter ich werde, desto besser passt es zu mir.

Wie wird man Scherbendoktor?
Bei mir kam es durch die Familie. Mein Vater hat den ersten derartigen Betrieb in Hamburg eröffnet. Meine Mutter und er haben sich Anfang der 60er Jahre kennengelernt. Sie hat sich damals auch in seine Arbeit verliebt und ein weiteres Geschäft eröffnet.

Ich wollte damit nie etwas zu tun haben, wie das immer so ist. Eines Tages war sie krank und ich habe versucht, im Laden zu helfen. Dabei habe ich festgestellt, dass mir das liegt, und ich bin in den Betrieb eingestiegen. Später habe ich den alten Laden meines Vaters übernommen.

»Für mich ist das hier ein Stück heile Welt voller Scherben. Das klingt gegensätzlich, aber aus den Scherben wird ja wieder etwas.«

Arne Zimmermann

Wie ist dein Vater darauf gekommen, die Scherbenklinik zu eröffnen?
Die Idee hat er aus Dresden mitgebracht. In seiner Jugend hat er ein paar Jahre da gelebt und eine kleine Wäscherei von seiner Großtante übernommen. Diese hatte auch Krankenhäuser als Kunden, und er durfte aussortieren, was nicht mehr gut ist. Deshalb heißt unser Laden Scherbenklinik und deshalb tragen wir Kittel.

Wie viele Scherbenkliniken gibt es?
Ganz wenige. Hamburg ist allein dadurch eine Hochburg gewesen, weil sich Mitarbeiter von meinen Eltern oder mir selbstständig gemacht haben. Unsere Kunden kommen aus ganz Europa, teilweise darüber hinaus. Wir haben inzwischen eine Zollnummer.

Wie sieht ein normaler Tag bei dir aus?
Erstmal setze ich mich hin und steck mir eine an (lacht). Danach kommen meistens schon Kunden. Ich setze die ganzen Trümmer zusammen, dann geht es weiter an Katja. Sie füllt aus und bemalt es eventuell.

Wir haben die Dinge nur Minuten in der Hand, dann muss das Epoxidharz aushärten. Wenn ich morgens mit einer Tasse anfange, kann ich abends damit weitermachen. Mit Backöfen beschleunigt sich der Prozess. Manche Stücke müssen dicht sein. Das kann auch mal sechs bis acht Wochen dauern. Dabei verliere ich die meisten Nerven: Du denkst, du hast das Loch gefunden, füllst Wasser rein und es läuft wieder aus.

Foto: Marianne Bruhns

Was sind das für Gegenstände, die du reparierst?
Becher sind totale Klassiker. Zu diesem hier weiß ich zufällig die Geschichte: Ein damaliger Freund von mir hat sich mit seiner Zwillingsschwester diese Tasse gekauft. Ein halbes Jahr später ist er verstorben. Als ihre Tasse kaputt ging, war klar, dass sie zu mir kommt. Die Tasse selber hat keinen Wert, die kannst du unmöglich auf dem Flohmarkt verkaufen.

Es gibt zigtausende Geschichten. Hier wird viel mehr geredet als in anderen Werkstätten. Die Anrufe kommen aus dem Herzen heraus – oft mit dem halben Teller in der Hand. Das sind teilweise Dinge, die über Generationen, über Kriege in der Familie waren – zwischendurch eingebuddelt und wieder ausgegraben. Wenn so etwas beim Putzen aus dem Regal fliegt, ist das hart.

Es gibt Sachen, die können so überraschend kostbar sein, vor allem aus Glas, denen sieht man es überhaupt nicht an. Manch eine Schale, die du vom Aussehen dem Hund zum Schlappern hinstellen würdest, ist 47.000 Euro wert. Da gibt es wirklich die dollsten Dinge.

Woran arbeitest du gerade?
Ich arbeite gerade an einem Panther aus Porzellan – da möchte ich jeden Tag eine Scherbe ansetzen. Während es trocknet, werde ich von dieser Platte etwas zusammensetzen und diesen Henkel an diese Kanne. Wenn alles abgebunden ist, kann ich wieder am ersten Teil weiterarbeiten.

Eine Liebeserklärung an deinen Beruf in einem Satz:
Ich bin am allerliebsten hier, und das weiß ich jeden Tag zu schätzen.

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