Der Mann, der Eimsbüttels Spielplätze sicher macht
Ralf Günther kümmert sich darum, dass Kinder in Eimsbüttel sicher spielen können. Der bezirkliche Spielplatzkontrolleur sieht nach den Schrauben und Muttern der 120 Spielplätze im Bezirk.
Von GastAn einem frostigen Mittwochnachmittag im Januar ist auf dem Spielplatz im Lindenpark nicht viel los. Nur ein paar Kids spielen trotz der Kälte Fußball, nebenan filmt sich ein Teenager beim Körbewerfen. Vor dem Basketballfeld steht Ralf Günther in seiner dunkelblauen Bezirksamt-Montur. Auf seiner Brust prangt ein Patch: Bezirkliche Spielplatzkontrolle. Er sorgt dafür, dass Eimsbüttels Spielplätze sicher sind.
Ralf Günther ist 63 Jahre alt und der einzige bezirkliche Spielplatzkontrolleur in Eimsbüttel. Früher arbeitete er in der Automobilbranche, seit 2009 kümmert er sich um die rund 120 Spielplätze im Bezirk. Die Anlagen werden wöchentlich unter die Lupe genommen und monatlich begutachtet, einmal im Jahr zusätzlich von einer externen Firma und vom TÜV. So soll per Vier-Augen-Prinzip die Sicherheit der Spielgeräte gewährleistet werden.
Spielplatz-Kontrolle: Mit Prüfkörper und Augenmaß
Heute stehen die Anlagen im Lindenpark auf dem Plan. Günther startet mit dem Basketballplatz, prüft alle Schrauben und Verbindungsteile, rüttelt an den Metallgittern. Keine Auffälligkeiten. Weiter geht’s zum Fußballkäfig nebenan. Drei Kinder beobachten ihn schon seit einer Weile. „Wir kommen rüber und spielen mit“, ruft er ihnen zu und schickt ein Lachen hinterher. Ralf Günther mag Kinder. Die Jüngeren nennt er gerne „kleine Würmer“ oder „Kampfzwerge“, mit den Älteren redet er auf Augenhöhe. „Seid ihr zufrieden mit dem Platz? Der ist erst letztes Jahr neu gemacht worden.“ „Ja, aber der Boden klebt“, meint ein Kicker. „Dann hast du die falschen Schuhe an“, kontert Günther und grinst.
Weiter geht’s zum Auto. Dort hat Günther ein Tablet für die Dokumentation, dazu Handbücher wie „Das 1 x 1 der Spielplatzkontrolle” und Werkzeug für kleinere Reparaturen. Wer einen Schaden am Spielplatz entdeckt, kann diesen per Telefon oder online über den Meldemichel melden. Am Vortag sei es beispielsweise eine kaputte Leitersprosse gewesen. „Das konnte ich nicht selbst machen, aber der Tischler hat es heute direkt erledigt.“

Mit seinen genormten metallenen Prüfkörpern testet Günther, ob irgendwo Finger, Köpfe oder Kleidung hängen bleiben könnten. Jedes Spielgerät trägt eine Plakette mit Hersteller, Baujahr und DIN-Norm. „Diese Geräte sind nach DIN 1176 und 1177 gebaut und geprüft. So was bekommst du nicht im Baumarkt.“ Entsprechend teuer sind sie: Schon die kleinen Spitzdach-Häuschen mit Bank und Theke kosten mehrere tausend Euro – plus Transport und Aufbau.
Ständig im Dialog
„Dieses Jahr werden in Eimsbüttel noch viele schöne Sachen gebaut“, verrät Günther. Wenn neue Spielplätze entstehen, gibt es eine Bürgerbeteiligung. Auf den Veranstaltungen seien meist die Architekten und Planer dabei, erklärt er. Günthers Abteilung schaue dann, ob es sicher und gut zu unterhalten sei. Manche Elemente wie Tischtennisplatten oder zusätzliche Bänke kamen erst durch solche Bürgerdialoge zustande. „Wir können nicht alle glücklich machen. Wichtig ist, dass wir im Dialog bleiben und die Leute sehen, was wir hier machen und wofür Steuergelder eingesetzt werden.“
In vielen Gesprächen kommt regelmäßig dasselbe Thema auf: Was ist mit Toiletten bei Spielplätzen? Betrieb, Reinigung und Vandalismus verursachen hohe Kosten, Dixi-Klos würden regelmäßig umgeworfen, die Chemie versickere im Boden. „Wir versuchen, Toiletten an Kioske anzudocken – aber ohne Kiosk können wir meistens keine Klos installieren.“ Spielplätze seien ohnehin vor allem für die Nachbarschaft gedacht; das eigene Klo also in fußläufiger Reichweite.
Was macht einen guten Spielplatz aus?
Ralf Günther plagt eine typische Berufskrankheit: Er kann an keinem Spielplatz vorbeigehen, ohne seinen prüfenden Blick zu schärfen. „Selbst im Urlaub im Ausland gucke ich mir die Spielplätze an“, lacht er. Doch was macht einen guten Spielplatz für den Experten aus? „Er muss abwechslungsreich sein und für alle Altersklassen etwas bieten – und Wasserspiele sind großartig!“
In einer Folge des Podcast „Die Bürokraten“ des Bezirksamtes Eimsbüttel geht es ebenfalls um die Spielplätze in Hamburg – und um die Toilettenfrage.
Text: Erik Klügling
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