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Ein Schulprotest am EWG gegen Wehrpflicht. Foto: Privat (anonym)
Ein Schulprotest am EWG gegen Wehrpflicht. Foto: Privat (anonym)
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Schülerproteste in Eimsbüttel: Zwischen Unterstützung und Polizeieinsatz 

Die Proteste junger Menschen nehmen auch in Eimsbüttel unterschiedliche Formen an. Vier Beispiele zeigen, wie verschieden die Reaktionen darauf ausfallen und welche Forderungen hinter den Aktionen stehen.

Von Ella Schinkel

In den vergangenen Wochen kommt es deutschlandweit immer wieder zu Schüler- und Studierendenprotesten – auch in Eimsbüttel. Ob Gen-Z-Proteste oder Schulstreiks, die Forderungen der jungen Menschen ähneln sich: Sie richten sich gegen eine Militarisierung Deutschlands, die Wehrpflicht, Sozialabbau und Kürzungen im Bildungsbereich. Wie unterschiedlich die Reaktionen auf die Proteste ausfallen, zeigen mehrere Beispiele aus dem Bezirk.

Schulleiter greift bei Protest am Kaifu ein

Montag, 15. Juni: Eine Gruppe von Schülern demonstriert auf dem Schulhof des Gymnasiums Kaiser-Friedrich-Ufer gegen die Einführung eines verpflichtenden Wehrdienstes. Im Vorfeld hatte die Schulleitung den Protest auf dem Schulgelände untersagt – auf Grundlage einer Anweisung der Schulbehörde. Die Initiative hinter dem Schulstreik setzt sich darüber hinweg.

Eine beteiligte Schülerin berichtet von einer angespannten Stimmung vor Ort. Schulleiter Arne Wolter habe versucht, ihr das Megafon wegzureißen, andere Schüler hätten sich dazwischen gedrängt. „Ich habe das als extreme Grenzüberschreitung mir gegenüber wahrgenommen.“

Wolter geht auf Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten nicht direkt auf den Vorwurf ein. Er habe versucht, die Kundgebung auf Grundlage des Hausrechts zu unterbinden. Die Schule müsse dafür sorgen, „dass keine unzulässige einseitige politische Indoktrination erfolgt – egal von welcher Gruppe.“

Schulleitung lässt Blockade am EWG zu

Freitagmorgen, 16. Oktober: Weiße Banner hängen an den Schultoren des Emilie-Wüstenfeld-Gymnasiums (EWG). „EWG gegen Wehrpflicht“ und „Eimsbüttel vereint, Klasse vs. Klasse“ steht auf den Transparenten. Eine Gruppe von Schülern blockiert einen der Schuleingänge. Sie protestieren gegen die Wehrpflicht, Militarisierung und Kürzungen im Bildungsbereich.

Hinter der Aktion steht das Schulstreikkomitee des EWG. Nach Angaben der Organisatoren schließen sich rund 200 Schüler dem Protest an. Vereinzelt hätten sich sogar Lehrkräfte mit ihren Klassen beteiligt, berichtet ein Schüler.

Anders als am Kaifu-Gymnasium greift die Schulleitung nicht ein. Gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten erklärt die Schulleiterin, sie habe sich vor Ort bewusst dagegen entschieden, um eine Eskalation zu vermeiden. Die Aktion sei friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen.

Polizeieinsatz an der Universität Hamburg

Montagmorgen, 2. November: Auch an der Universität Hamburg bleiben die Türen geschlossen. Zumindest die der Sozialwissenschaften. Eine Gruppe Studierender blockiert die Eingänge der Fakultät.

Die Polizei rückt mit mehreren Mannschaftswagen an. Über mehrere Stunden werden die Studierenden von Einsatzkräften eingekesselt. Auch die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) ist vor Ort.

Gegen Mittag zieht sich die Polizei zurück. Über die geplante Aktion sei die Universität im Vorfeld indirekt durch eine Pressemitteilung des AStA informiert worden, erklärt ein Pressesprecher der Universität auf Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten.

Protest gehöre grundsätzlich zur Universitätskultur, solange die Beteiligten ihre Anliegen öffentlich, gewaltfrei und rechtmäßig zum Ausdruck bringen. An einer Eskalation der Situation habe die Universität kein Interesse gehabt. Diese Haltung sei auch vor Ort gegenüber der polizeilichen Einsatzleitung kommuniziert worden.

Mehrere junge Menschen blockieren das Gebäude AP1 der Universität Hamburg. Foto: Hamburg News
Mehrere junge Menschen blockieren das Gebäude AP1 der Universität Hamburg. Foto: Hamburg News

Auch Eltern und Lehrkräfte wollen demonstrieren

Freitag, 20. November: Nicht nur Schüler und Studierende wollen auf die Straße gehen. Auch Eltern und Lehrkräfte planen eine gemeinsame Demonstration gegen die vorgesehenen Einsparungen an Hamburgs Schulen.

Unter dem Motto „Licht an für Bildung – gegen die Einsparungen an Hamburgs Schulen“ soll der Demonstrationszug bis vor die SPD-Zentrale in Eimsbüttel ziehen.

Getragen wird die Aktion von zahlreichen Elternräten Eimsbütteler Schulen. Eine „Allianz über alle Schulformen hinweg, wie sie der Stadtteil vermutlich noch nicht erlebt hat“, sagt Frauke Ladleif, Mitorganisatorin und Elternvertreterin an der Grundschule Rellinger Straße.

Eine neue Protestbewegung?

Schulstreiks, Universitätsblockaden und Demonstrationen von Eltern und Lehrkräften: Zeigen die verschiedenen Aktionen eine Veränderung des Protestklimas in Deutschland?

Ein Blick ins Ausland zeigt, wie weit solche Bewegungen reichen können. In Frankreich gingen in den vergangenen Wochen nach Berichten über die Proteste Hunderttausende Schüler gemeinsam mit Lehrkräften und Eltern auf die Straße.

Die Proteste dort seien auch für die Hamburger Schüler ein Vorbild gewesen, berichtet Bela vom Schulstreikkomitee des EWG. „Man hat gemerkt, dass die Proteste in Frankreich von vielen als Vorbild gesehen werden. Denn sie zeigen, wie viele Schüler*innen für ihre Interessen einstehen, wie Kämpfe verbunden werden können und dass man tatsächlich Forderungen durchsetzen kann.“

Was bleibt von den eigentlichen Forderungen?

Auch in Hamburg richten sich die Proteste längst nicht mehr nur gegen die mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht. Zunehmend stehen die geplanten Kürzungen im Bildungsbereich und die Frage im Mittelpunkt, wofür der Staat sein Geld ausgibt.

Die Organisatoren der Schulstreiks sehen einen direkten Zusammenhang zwischen steigenden Rüstungsausgaben und den geplanten Einsparungen im Bildungsbereich. Während mehr Geld in die Verteidigung fließe, müssten Schulen mit weniger Mitteln auskommen, kritisieren sie.

Die befürchteten Folgen: größere Klassen, überlastete Lehrkräfte und weniger individuelle Betreuung. Dass diese Sorgen nicht unbegründet sind, macht auch die Schulleiterin des EWG deutlich. Sie äußert Verständnis für die Protestierenden und rechnet durch die geplanten Einsparungen mit einer Verringerung des Unterrichtsangebotes sowie größeren Klassen und Kursen.

Doch während die Forderungen der jungen Menschen immer wieder auf die Straße getragen werden, sorgen vor allem die Protestformen und die Reaktionen darauf für Diskussionen.

Ausschreitungen nach Gen-Z-Regelt-Protest

So auch bei den jüngsten Gen-Z-Regelt-Protesten in Hamburg. Nach einer zunächst weitgehend friedlichen Demonstration eskaliert die Situation am Samstag in St. Georg.

Nach Angaben der Polizei werden knapp 130 Menschen vorläufig festgenommen, darunter 43 Minderjährige. Den Festgenommenen werden unter anderem Angriffe auf Polizeikräfte, Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und das Werfen von Böllern vorgeworfen. 

“Randale nach „Gen Z“-Demo: Warum es eskalierte – und wer die Täter sind”, schreibt die Hamburger Morgenpost. “Gen-Z-Demo in Hamburg: Ausschreitungen überschatten friedlichen Protest”, heißt es von Sat.1. 

Kritik an der Berichterstattung

Bela vom EWG-Schulstreikkomitee bemängelt schon im Vorfeld des 31. Oktobers die mediale Berichterstattung über die Proteste. Diese konzentriere sich aus seiner Sicht zu stark auf gewaltsame Ausschreitungen und zeichne damit ein verzerrtes Bild der größtenteils friedlichen Demonstrationen.

Die eigentlichen Anliegen der Jugendlichen und die Probleme, mit denen sie im Schulalltag konfrontiert seien, gerieten dadurch in den Hintergrund. 

Weitere Proteste geplant

Ein Ende der Proteste ist vorerst nicht in Sicht. Am 20. November sollen im Rahmen eines europaweiten „Youth Strike“ erneut Schüler in mehreren Ländern gegen Wehrpflicht, Aufrüstung und Bildungskürzungen demonstrieren.

Auch die Eimsbütteler Elternräte wollen an diesem Tag gemeinsam mit Lehrkräften auf die Straße gehen. Damit stehen neben den Schülern zunehmend auch diejenigen auf der Straße, die die Folgen der geplanten Einsparungen im Schulalltag unmittelbar miterleben.

Am 6. November soll ebenfalls ein hamburgweiter Aktionstag von Schülern, Eltern und Lehrkräften stattdinden. Ab 8:00 Uhr werde am Kaifu-Gymnasium demonstriert, heißt es vom Schulstreikkomitee.


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