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Felix Grassmann, Chef des Abaton-Kinos im Interview mit Pauline Reibe im Foyer des Abaton-Kinos, Hamburg
Felix Grassmann, Betreiber des Abaton und Sohn des Gründers Werner Grassmann. Foto: Rainer Wiemers
Magazin #29

Ein Leben mit dem Kino

Als Werner Grassmann 1970 das Abaton gründet, haben Independent-Filme keinen Platz im deutschen Kino. Heute genießt das Programmkino Ansehen – das war nicht immer so.

Von Eimsbütteler Nachrichten

In einer Zeit, in der es in Deutschland nur Pornos, Heimat- und Schlagerfilme gibt, löst Felix Grassmanns Vater eine kleine Revolution aus. Gemeinsam mit anderen Filmschaffenden produziert Werner Grassmann, Gründer des Abaton, in den 1960er-Jahren Undergroundfilme in Hamburg.

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Zusammen gründen sie die „Film Coop” und mischen die Kinolandschaft auf: Ihr Film „Besonders Wertvoll“ von Hellmuth Costard provoziert 1968 einen Skandal auf den Oberhausener Kurzfilmtagen, weil er einen sprechenden Penis zeigt.

Wie alles begann

Heute hängen im Abaton-Kino Bilder der „Film Coop”-Mitglieder an den Wänden. Felix Grassmann sitzt im gedimmten Eingangs­bereich des Kinos, trinkt Cappuccino und erzählt von seinem Vater, der dieses Kino eröffnet hat.

Grassmann wirkt stolz auf das, was sein Vater erreicht hat. Zwar scheiterte Werner Grassmanns erster Versuch, ein Programmkino für eben diese Filme in St. Georg zu eröffnen – das Ordnungsamt war unzufrieden mit den sanitären Anlagen. Doch der zweite Versuch am Allende-Platz gelang.

Im Kino aufwachsen

Die Nachfrage war da: Gerade Studierende hatten genug von den alten Schinken. Und noch etwas trug zum Erfolg bei: der Name. „Abaton“, ein heiliger Tempel aus der griechischen Mythologie, beginnt mit den ersten beiden Buchstaben des Alphabets. In Zeitschriften wurde das Kino immer ganz oben erwähnt.

Eines der ersten Modelle, die Felix Grassmann aus Lego baute, war das des Abaton. Er wuchs mit dem Kino auf, verdiente sein Taschengeld beim Karten-Abreißen und hinter der Bar – und beim „Vorführen“. „Eine Filmrolle auf einem Projektor war nach zwanzig Minuten zu Ende. Dann musste der Vorführer den zweiten Projektor mit der nächsten Rolle anwerfen.” Seine Augen leuchten, wenn er davon erzählt. Heute laufe das alles digital.

Felix Grassmann, Chef des Abaton-Kinos, im Interview mit unserer Autorin. Foto: Rainer Wiemers

„Wenn ein Film nicht gut ist, wird er nicht gezeigt – ganz einfach.“

Mit dem Vorführen habe sich Bruder Florian das Medizin­studium finanziert. Er ist heute Orthopäde, der dritte, Philip, Journalist. Felix Grassmann ist in der Filmbranche geblieben. „Natürlich wollte ich das Abaton erhalten. Ich betrachte es als Aufgabe, die Zuschauer für diese Art des Kinos zu begeistern.“

Die Filme wählt Grassmann mit Bedacht aus. „Unser Schwerpunkt sind immer noch Underground-Filme, die wir finanzieren, indem wir Mainstream-Filme zeigen“, sagt er. „Ich habe den Anspruch an das Publikum, die Filme kritisch anzuschauen und etwas mit nach Hause zu nehmen. Wenn ein Film nicht gut ist, wird er nicht gezeigt – ganz einfach.“

Das Abaton überlebt Krisen

Das Inventar und die Kinoland­schaft haben sich gewandelt, das Abaton wurde renoviert – doch am Geist des Kinos hat sich nichts verändert. Der 96-jährige Gründer Werner Grassmann kommt heute noch täglich – nicht etwa, um nach dem Rechten zu schauen. „Er kommt natürlich zum Filme gucken!“, sagt sein Sohn und lacht.

Mittlerweile gibt es hunderte Programmkinos in Deutschland. Das Abaton kann sich stolz als Ursprung dieser Entwicklung bezeichnen. Und doch gibt es immer wieder Rückschläge und finanziell schwierige Zeiten. „Die Corona-Krise war hart – doch sie hat uns gezeigt, dass unsere Stammgäste treu sind. Manche hatten bei der Wiedereröffnung Tränen in den Augen“, sagt Grassmann. Deshalb sei er zuversichtlich, dass sie auch die aktuelle Situation gut überstehen werden.

Der Cappuccino ist leer, Grassmann verabschiedet sich. Später am Tag geht es wieder los. Dann strömen Menschen in die Kinosäle, setzen sich in die roten Sessel – und warten, bis sich der Vorhang öffnet und gezeigt wird, wofür das Abaton heute bekannt ist: gute Filme.

Text: Pauline Reibe


Vom Guckkasten zum Multiplex – eine Reise durch die einstige Kinohochburg Eimsbüttel.


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