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Anna Gallina in einem ihrer Lieblingscafés mit Bistrobesitzer Amid. Foto: Nora Helbling (Archiv)
Anna Gallina in einem ihrer Lieblingscafés mit Bistrobesitzer Amid. Foto: Nora Helbling (Archiv)

Bereit, zu hinterfragen

Anna Gallina ist erstplatzierte Kandidatin für die Grünen auf der Bezirksliste. Für das Interview mit den Eimsbütteler Nachrichten suchte sie sich ein kleines orientalisches Bistro an der Grindelallee aus. Wie sich herausstellte, ist sie hier ein bekannter Gast.

Von Nora Helbling

Eimsbütteler Nachrichten: Was macht Bezirkspolitik für Sie aus?

Anna Gallina: Bezirkspolitik ist nah am Menschen. Im Vergleich zur Bürgerschaftspolitik, oder noch stärker, zur Bundestagsebene ist man ganz nah an den Problemen vor Ort, die man konkret lösen kann. Das ist für viele Kommunalpolitiker der entscheidende Motor.

Eimsbütteler Nachrichten: Welches politische Wahlkampfthema repräsentiert dieser Ort für Sie?

Anna Gallina: Hier an der Grindelallee sieht man gut, dass der Straßenraum ungleich verteilt ist. Das ist ein klassisches grünes Thema und Verkehrspolitik ist insgesamt ein großes Wahlkampfthema. Da gibt es viel zu tun und da wollen wir ran. An der Grindelallee kann man gut sehen, dass es für Radfahrer und Fußgänger sehr eng ist. Auch die Parkplätze nehmen viel Fläche weg. Die Straße bietet nicht mehr die Alleequalität, die sie eigentlich haben sollte. Wir möchten, dass die Fahrradfahrer auf die Straße verlegt werden. Studien belegen, dass das sicherer ist. Auch wenn das  Gefühl erst einmal etwas anderes sagt.

Diese Probleme gibt es auch in anderen Straßen im Bezirk, z.B. auf der Hoheluftchaussee oder der Osterstraße, die ja jetzt im Beteiligungsprozesse mit Bürgern angefasst wird.

Eimsbütteler Nachrichten: Bei dieser Bezirkswahl dürfen zum ersten Mal Jugendliche ab 16 Jahren wählen. Wie kann man junge Leute für Bezirkspolitik begeistern?

Anna Gallina: Es ist wichtig, dass man sich auf die Problemempfindung und die Sprache der Jugendlichen einlässt. Ich war vor kurzem bei der Jugendfeuerwehr und habe festgestellt, dass viele meiner Kollegen so sprechen, wie sie mit allen anderen Erwachsenen auch sprechen, oder noch schlimmer, wie sie unter Politikern sprechen. Da ist aber ein Politikstil wichtig, bei dem man offen ist und eine Sprache spricht, die jeder versteht. Vor allem sollte man die Themen der Jugendlichen ernst nehmen, sie aufnehmen und erklären, welche Möglichkeiten und Wege es gibt. Das ist wichtig, denn Jugendliche und Kinder haben so gut wie keine Lobby.

Eimsbütteler Nachrichten: Wie bewerten Sie die geringe politische Einflussmöglichkeit der Bezirksversammlung Eimsbüttel?

Anna Gallina: Wir wollen natürlich die Bezirke stärken. Was die Kompetenzen, aber auch die finanzielle Ausstattung angeht. Dafür setzen sich die Grünen auf Bürgerschaftsebene ein. Wir sehen beispielsweise die Überlastung der Mitarbeiter im Jugendamt, die fatale Auswirkungen haben kann. Wir fordern eine stärkere finanzielle Ausstattung der Bezirke. Wir möchten zum Beispiel mehr Mitarbeiter im Allgemeinen sozialen Dienst beschäftigen können, die qualifiziert sind, damit Kinder in staatlicher Obhut nicht unter die Räder kommen. Ansonsten haben wir in bestimmten Bereichen schon sehr viel Einflussmöglichkeiten, in anderen aber sehr wenig. In der Verkehrspolitik können wir viel mitgestalten, ebenso wie in der Stadtplanung. Das ist auch wichtig für die Eimsbütteler, weil sie ein großes Interesse daran haben, wie sich der Bezirk weiterentwickelt, und dass sie vor allem im Rahmen der Möglichkeiten mitbestimmen können. Das ist etwas, das wir uns auf die Fahne geschrieben haben. Dank grüner Hartnäckigkeit haben wir in der vergangenen Legislatur in Eimsbüttel viel dazugelernt. Deshalb kann ich schon damit leben, dass wir nicht in allen Bereichen mitgestalten können. Wir machen das ja alle ehrenamtlich, das darf man nicht vergessen.

Eimsbütteler Nachrichten: Was können Sie für den Bezirk tun?

Anna Gallina: Das Gute an mir ist, dass ich bereit bin, eingetretene Pfade zu verlassen. Und mal zu sagen: Nur weil man etwas immer so gemacht hat, heißt das nicht zwangsläufig, dass es immer noch richtig und gut ist. Und auch mal zu hinterfragen, auch wenn es anstrengend ist und nervt. Das ist etwas, was einen grundsätzlich in der Politik voranbringt.

Als Grüne sind wir eine wichtige Vertretung von Interessen, die sich selbst nicht formulieren können. Wir wollen viel Politik im sozialen Wohnungsbau machen. Die Frage ist aber auch, was mit den Freiflächen und der Natur in der Stadt passiert. Wo wird verdichtet, wo wird schon wieder ein Baum plattgemacht und muss das wirklich sein. Wir sagen, das kann man auch anders machen. Es ist aus Umwelt- und Naturschutzgründen aber auch für die Lebensqualität der Menschen wichtig, Grünflächen zu bewahren. Sonst haben wir irgendwann keine grüne Großstadt mehr, sondern eine betonierte Großstadt.

Eimsbütteler Nachrichten: Was gefällt Ihnen im Bezirk Eimsbüttel besonders?

Anna Gallina: Ich finde die Mischung toll. Im Kerngebiet ist es stark verdichtet und es ist alles vor der Haustür. Wir haben aber auch die klassischen Einfamilienhäuser und es gibt viele Parks und Wasser. Die Lebensqualität ist hier wahnsinnig hoch. Im Vergleich zu anderen Bezirken ist die Schere nicht so groß in Bezug auf soziale Fragen. Sie ist zwar auch da, aber wir sind uns ihrer auch sehr bewusst und agieren da vernünftig.

Was ich super fand, war die Reaktion der Lokstedter auf die Flüchtlingsunterbringung an der Lokstedter Höhe. Die Lokstedterinnen und Lokstedter haben sich mit so viel Herzlichkeit und Engagement und mit positiven offenen Herzen auf die Sache eingelassen, das war einfach toll. So erlebe ich Eimsbüttel ganz oft, deshalb lebe ich hier und fühle mich total wohl.

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