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Anwohner des Grindelviertels zünden Kerzen an. Foto: Amos Schliack
Kerzen erleuchten die Stolpersteine im Grindelviertel bei der Aktion "Grindel leuchtet" am 9. November. Foto: Amos Schliack
Gedenken

Der Grindel leuchtet und die Weidenallee erinnert sich

Mit der Aktion „Grindel leuchtet“ erinnern Anwohner jährlich am 9. November an die Ereignisse der Progromnacht vor 81 Jahren. In diesem Jahr sollen erstmals auch 100 Stolpersteine rund um die Weidenallee mit Kerzen erleuchtet werden.

Von Vanessa Leitschuh

Seit 2013 gedenkt die Anwohnerinitiative „Grindel leuchtet“ am 9. November mit Kerzen der Opfer von Verfolgung und Ermordung des NS-Regimes. Unter dem Motto „Die Weidenallee erinnert sich“ ruft in diesem Jahr erstmals auch eine Nachbarschaftsinitiative aus Anwohnern der Weidenallee zum gemeinsamen Gedenken auf.

Kundgebung im Kleinen Schäferkamp

An 100 Stolpersteinen rund um die Weidenallee möchten Anwohner Kerzen aufstellen und der ermordeten Juden aus ihrem Viertel gedenken. „Man muss sich heute wieder gegen Antisemitismus wehren. Die Kerzen sollen die Ereignisse von damals in Erinnerung rufen“, heißt es in einem Aufruf der Initiative.

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Im Anschluss findet um 18:30 Uhr eine Kundgebung auf Höhe des Kleinen Schäferkamps 48 statt. Die Anwohner möchten damit ein Zeichen gegen Rechts setzen und zeigen, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft keinen Platz finde. Der Eimsbütteler Bezirksabgeordnete Moritz Altner (SPD), Ulf Bollmann und eine Vertreterin der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte werden sprechen.

Grindel leuchtet gegen das Vergessen

Auch im Grindelviertel finden sich ab 16:30 Uhr Anwohner zusammen, um ihrer vertriebenen und ermordeten Nachbarn zu erinnern. Amos Schliack, Inititator von „Grindel leuchtet“, zieht sich nun nach sieben Jahren aus der Organisation zurück: „Nach langem Nachdenken und vielen Gesprächen bin ich zu dem Schluss gekommen, mein persönliches Engagement für diese Aktion – zumindest in der bisherigen Form – zu beenden.“ So sind in diesem Jahr im Grindelviertel keine Plakate zur Ankündigung zu finden.

"Grindel Leuchtet": Stolpersteine und Kerzen im Hamburger Grindelviertel. Foto: Amos Schliack
„Grindel Leuchtet“: Stolpersteine und Kerzen im Hamburger Grindelviertel. Foto: Amos Schliack

„Ich hoffe, dass die Aktion so selbstständig geworden ist, dass sie auch ohne mich stattfinden kann“, erklärt Schliack gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten. Seine Hoffnung, die Aktion in Schulen tragen zu können, habe sich bisher nicht erfüllt. Um die Erinnerung wach zu halten, müssten Aktionen wie diese in jüngere Hände gegeben werden, so der 68-Jährige weiter.

Der Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge

Um 18:30 Uhr ruft die Jüdische Gemeinde Hamburg auf dem Joseph-Carlebach-Platz zum Abendgebet und anschließend zur Hawdala-Zeremonie auf. Eine Zeremonie, die am Samstagabend den Ausgang des Schabbat und den Beginn der neuen Woche kennzeichnet.

Bis zu den Zerstörungen in der Reichsprogromnacht stand auf dem heutigen Joseph-Carlebach-Platz die Bornplatzysynagoge. Heute erinnert ein Mosaik des Grundrisses an das frühere Bethaus im Grindelviertel. Erst kürzlich kam die Idee auf, das einstige Wahrzeichen wieder aufzubauen.

Auch die Eimsbütteler Bezirksfraktionen der CDU und Grünen unterstützen das Vorhaben: „Der Wiederaufbau der Synagoge am Bornplatz wäre ein sichtbares Zeichen, dass die Politik und die Gesellschaft hinter den Juden in Hamburg stehen. Gerade in Zeiten des erstarkenden Antisemitismus ist dies ein wichtiges Zeichen“, erklärt Johannes Weiler, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Bezirksfraktion.

Stolpersteine in Hamburg

Am 9. November 1938 riefen die Nationalsozialisten dazu auf, jüdische Synagogen und Geschäfte zu zerstören. Die Gestapo verfolgte und inhaftierte hunderte Juden in Hamburg und zertrümmerte jüdische Einrichtungen. Auch die Hauptsynagoge am Bornplatz im Grindelviertel brannten die Zerstörer nieder.

Mit den Novemberprogromen begann die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Nur wenige Jahre später begannen die Deportationen in Konzentrationslager. Mehr als 5.600 Stolpersteine in Hamburg mahnen heute an die Schicksale ehemaliger jüdischer Bewohner und Opfer der Nationalsozialisten.

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Bürgermeister Peter Tschentscher hat sich für einen Wiederaufbau der Synagoge am Bornplatz ausgesprochen. Ein möglicher Neubau findet parteiübergreifend Zustimmung.

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