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Screenshot: Alana Tongers
In Zeiten der Pandemie treffen sich die OMAS GEGEN RECHTS auf Zoom. Screenshot: Alana Tongers
Magazin #26

OMAS GEGEN RECHTS: Jetzt muss (s)ich etwas ändern

Bei Rente denken viele an Bingo, Schnapspralinen und Fernsehzeitung. Wenige an Antifa. Muss kein Wider­spruch sein, finden die OMAS GEGEN RECHTS. Was treibt sie an, im Alter auf die Straße zu gehen? Ein Zoom-Date mit den Eimsbütteler OMAS.

Von Alana Tongers

Eigentlich, erzählt Kerstin, 64, war sie nie politisch aktiv. Immer politisch interessiert, ja, aber auf die Straße gehen und laut Parolen rufen? Eher nein. Doch dann gehen sie und ihre Tochter gemeinsam auf eine Demo. „Und die hat dich dann bei den OMAS abgegeben?”, fragt eine Frau. „Nicht im Bällebad – nein – bei den OMAS!”, lacht eine andere. Dann lachen Kerstin, Gerlinde, Marion, Hilde und Laura gemeinsam, so laut, dass der Ton rauscht. Da versteht Zoom weniger Spaß als die Eimsbüttelerinnen.

Mit Lebenserfahrung gegen Faschismus

Die OMAS GEGEN RECHTS wurden 2017 in Österreich gegründet, schnell schwappte die Bewegung nach Deutschland. Überparteilich, nicht ideologisch, engagieren sich Frauen mit Lebenserfahrung gegen den Faschismus. Das ist das Konzept. Mittlerweile gibt es etliche Ortsgruppen in ganz Deutschland, ganze vier in Hamburg. Im November 2021 hat sich ein Ableger in Eimsbüttel gefunden – die Ortsgruppe Hamburg West.

Jeden dritten Donnerstag treffen sie sich im Kreativhaus Eimsbüttel und planen den friedlichen Widerstand. Und wenn Corona es – wie gerade – nicht erlaubt, dann eben über Zoom. Da haben sich die Damen mittlerweile gut eingegroovt. Video einschalten, Ton stummschalten, melden – funktioniert alles besser als in manchem Uni-Seminar nach zwei Jahren Pandemie.

OMAS GEGEN RECHTS in Eimsbüttel

Zwischen 12 und 15 OMAS sind momentan in Eimsbüttel dabei. Sie alle haben unterschiedliche Geschichten, die sie zu der Gruppe gebracht haben. Viele sind schon seit Jahren politisch aktiv, haben gegen Kernkraft und Krieg demonstriert. Andere, wie Kerstin, sind neu dabei. Was sie aber verbindet, ist die Sorge vor einem Rechtsruck. Und die Wut, dass so wenig dagegen getan werde. Die Politik, sagt Marion, eine ehemalige Ärztin, sei auf dem rechten Auge schon immer blind. Viele der OMAS haben das als Teil der Nachkriegsgeneration erlebt. Als der Holocaust nicht fester Teil der Lernpläne war, als in den Familien geschwiegen wurde, wenn es um Antisemitismus und die Nationalsozialisten ging. Das hat viele der Frauen hier geprägt. Wenn sie jetzt sehen, dass immer weniger junge Menschen um die deutsche Geschichte wüssten, mache ihnen das Angst.

Momentan treiben die OMAS aber vor allem die wachsenden Proteste der Corona-Leugner um. Hilde, 66, erzählt von Flyern, die Verschwörungstheorien verbreiten, ausgelegt in Fahrradkörben in der Telemannstraße. „Das muss man differenziert betrachten”, können sie nicht mehr hören. Stattdessen wollen sie, dass die Politik klar benennt, wer da mit den Impfgegnern „spazierengeht”. Dass die Gefahr von rechts kommt. „Sonst haben wir bald nicht nur eine Viruswelle, sondern auch eine Faschis­muswelle”, sagt Marion.

Alt, aber nicht stumm

Das wollen sie verhindern, dafür gehen sie auf die Straße, mit großen Schildern, rufen laut „Wir sind alt, aber nicht stumm”. Aber die OMAS sind nicht nur auf Demonstrationen unterwegs. Es gibt auch einen Lesekreis, andere Frauen arbeiten an einem Kalender, und im Mai nehmen sie am „Lauf gegen Rechts” links um die Alster teil. Natürlich laufen sie nicht, sagt Hilde schnell. Stattdessen gehen sie. Es ist ihnen wichtig, dass OMAS aller Altersgruppen sich einbringen können. Frauen sichtbar machen, die oft von der Gesellschaft übersehen und als unpolitisch abgetan werden.

Was in Eimsbullerbü falsch läuft

Auch in Eimsbüttel sehen die OMAS Handlungsbedarf. Klar, man lebe hier schon in einer grünen Blase. Aber das verleite dazu, über Probleme hinweg zu sehen. Gerlinde arbeitete lange als Lehrerin. Als die Berufsschule am Else-Rauch-Platz umbenannt werden soll, setzt sie sich für die Benennung nach Else Rauch ein, selbst Lehrerin an eben jener Schule, die von den Nazis ermordet wurde. Der Vorschlag wird abgelehnt. Jetzt heißt sie Berufliche Schule für Wirtschaft Hamburg-Eimsbüttel. Hilde erinnert sich an die Bilder der Opfer von Hanau, die an der U-Bahn Osterstraße abgerissen wurden. Seit kurzem sieht sie öfter Hakenkreuze an Briefkästen. Nicht immer heile Welt in Eimsbullerbü.

„Antifa soll Spaß machen“

Vor allem aber engagieren sie sich für die nächste Generation. Sie bewundern Fridays for Future, solidarisieren sich mit den Jugendlichen, die für das Klima auf die Straße gehen.
„Unsere Haut können wir noch retten”, sagt Hilde. Aber was ist mit ihren Kindern und deren Kindern? „Ich will ihnen die Welt einfach nicht schlechter hinterlassen.” Dabei haben die OMAS keine Angst vor unpopulären Bezeichnungen. Überwiegend links-grün versifft seien sie, die böse Antifa eben. Lautes Lachen im Zoom-Raum. „Antifa soll Spaß machen – und es macht uns Spaß”, sagt Kerstin.

Mittlerweile habe sie keine Angst mehr, was andere über sie denken, erzählt Laura. Da ist kein Job mehr, der sie einschränkt. Sie fühle sich freier, unbeschwerter. „Jetzt im Alter”, sagt Laura, „bin ich mutiger.” So, jetzt aber Zoom-Ende. Einige OMAS müssen weiter demonstrieren. Heute Abend sind Corona-Leugner in Bergedorf unterwegs. Ihnen gegenüber stehen dann wieder einige rüstige Damen aus Eimsbüttel. Mit Kochtöpfen, Schildern und jeder Menge Lebenserfahrung, gegen den Faschismus.

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