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In einem Wohnkomplex in der Kieler Straße gibt es verschiedene Mängel. Fotos: Teresa Runge
Der Eingang zu einem Teil des maroden SAGA-Wohnkomplexes in der Kieler Straße. Foto: Teresa Runge
Wohnen

SAGA-Immobilie verfällt – Anwohner müssen raus

Die SAGA vernachlässigt seit Jahren ihren Wohnkomplex an der Kieler Straße. So schildern es Bewohner. Jetzt müssen einige von ihnen ihre Wohnungen verlassen.

Von Alexis Milne

„Alles, was man hier lagert, schimmelt“, sagt eine Bewohnerin, während sie durch den Keller eines Gebäudekomplexes in der Kieler Straße führt. „Hier ist es immer feucht“, sagt eine andere. Weiter im Kellergang sind auf dem gewölbten, maroden Betonboden nasse Stellen und Pfützen zu sehen. Risse durchziehen die Wände.

Der Keller ist Teil eines Wohnkomplexes an der Kieler Straße 162–184, der der SAGA gehört und 99 Wohnungen umfasst. Nachdem am 11. Juli ein Gutachten bei dem städtischen Unternehmen eingegangen ist, müssen einige der Bewohner schnellstmöglich ausziehen. Die Standsicherheit in den Häusern 180–184 sei nicht gewährleistet. Grund dafür seien die Bodenbeschaffenheit und der historische Fundamentaufbau, heißt es von der SAGA.

Wohnungskomplex verfällt

Es gibt verschiedene Probleme am Haus, die die Bewohner seit langem beschäftigen. Das Fundament wölbt sich und bricht auf, sagen sie gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten. Zudem sei der Schimmel in mehreren Wohnungen kaum zu kontrollieren und eine Rattenkolonie habe sich auf dem Grundstück eingenistet.

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Einige Anwohner berichten bei einem Vor-Ort-Termin, Angst davor zu haben, dass ihre Wohnung zusammenbricht – und davor, in andere Stadtteile umgesiedelt zu werden.

Vorwürfe der Anwohner

In der Vergangenheit hätten die Anwohner die Schäden immer wieder bei der SAGA gemeldet. Ihre Angaben zufolge habe die Eigentümerin erst nach Wochen reagiert und lediglich oberflächliche Maßnahmen ergriffen. So würden beispielsweise ein paar Rattenfallen nicht ausreichen, um die Plage am Wohnkomplex effektiv einzudämmen. Mehrfach seien auch Heizung, Warmwasser und Strom ausgefallen. Drei Wohnungen der Gebäudeteile 162–178 sollen seit längerem leer stehen, da sich der Schimmel in ihnen nicht eindämmen ließe, heißt es von den Bewohnern.

An den Wänden des SAGA-Wohnkomplexes in der Kieler Straße sind Risse zu sehen. Foto: Alexis Milne

So ist der Zustand der Decken in den Treppenhäuser. Foto: Alexis Milne

Die Decke im Keller des SAGA-Wohnkomplexes in der Kieler Straße scheint sich aufzulösen. Foto: Alexis Milne

Was sagt die SAGA?

Aktuell stehen neun Wohnungen leer, sagt SAGA-Pressesprecher Gunnar Gläser auf Anfrage. Ob das am Schimmelbefall oder anderen Gründen liegt, stellt er nicht klar. Grundsätzlich wäre der Wohnkomplex immer wieder instandgehalten und -gesetzt worden, so Gläser weiter. Zudem seien Maßnahmen ergriffen worden, um das Rattenproblem einzudämmen.

Da der Wohnkomplex knapp 100 Jahre alt sei, seien einzelne Risse erstmal nicht ungewöhnlich und würden keinen unmittelbaren Handlungsbedarf nach sich ziehen, so Gläser. Der SAGA seien Ende 2024 jedoch Veränderungen an bereits bekannten Rissen aufgefallen, woraufhin mehrere externe Gutachten in Auftrag gegeben wurden. Im Zuge dieser wurden die Standfestigkeit der Fundamente und die Bodenbeschaffenheit geprüft.

„Besser gestern als heute“

Die Gutachten haben bei der SAGA nun zum Handeln geführt. Die Bewohner von 23 Wohnungen in den Hausnummern 180, 182 und 184 müssen möglichst schnell umziehen. Sie sollten „besser gestern als heute“ ihre Wohnungen verlassen, habe ein SAGA-Mitarbeiter gegenüber den Anwohnenden gesagt.

Ihnen werden Ersatzwohnungen angeboten, heißt es vom Wohnungsunternehmen. Dabei werde möglichst darauf geachtet, gleichwertige und passende Wohnungen in Bezug auf Stadtteile, Größe und Barrierefreiheit zu finden.

Anwohner klagen über Vorgehen bei Umzügen

Einige der Bewohner sollen aber auch Angebote für Wohnungen in entfernten Stadtteilen bekommen haben, erzählen diese. Dabei würden sie nur ungern an Orte ziehen, an denen ihnen ihre gewohnte Anbindung und Infrastruktur fehlt – zum Beispiel ihre Schulen oder Ärzte. Gleichzeitig fürchten sie, dass die Situation schwieriger wird, sofern sie die entsprechenden Angebote nicht annehmen. Viele von ihnen seien auf die günstigen SAGA-Mieten angewiesen. Die Durchschnittsmieten der SAGA liegen rund 30 Prozent unter dem Hamburger Mietenspiegel, heißt es vonseiten des Wohnungsunternehmens.

An den Müllcontainern des SAGA-Wohnkomplexes in der Kieler Straße sollen Ratten leben. Foto: Alexis Milne

Anwohner berichten: Die Keller des SAGA-Wohnkomplexes in der Kieler Straße sind ständig feucht. Foto: Alexis Milne

Älteres Ehepaar macht sich Sorgen 

Insbesondere vulnerable Personen, wie Senioren oder Beeinträchtigte, sähen sich einem großen Druck ausgesetzt, heißt es von den Bewohnern.

Das Ehepaar Gustav und Helene S.* wohnt seit rund 30 Jahren im Gebäudekomplex an der Kieler Straße. Beide leben mit Behinderungen und hätten 2024 ihr Bad entsprechend barrierefrei umbauen lassen. Mit Zustimmung der SAGA, sagen sie.

Jetzt müssen sie ausziehen. Die SAGA habe dem Paar eine andere Wohnung angeboten. Da diese aber erst im Herbst für den Einzug bereits sein soll, müssen Gustav und Helene S. in eine Zwischenunterbringung ziehen. Das Paar sei besorgt, zwei Umzüge nicht zu überleben. Die beiden wollen in der Kieler Straße bleiben, bis sie im Herbst in die neue Wohnung ziehen können.

Folgen weitere Umzüge?

Auch die Mieterinnen und Mieter der anderen SAGA-Gebäude sorgen sich. Denn in den Hausnummern 162–178 gibt es ebenfalls Risse, Wasserschäden und Schimmel – wenn auch in geringerem Ausmaß als in den Hausnummern 180, 182 und 184. „Die hätten schon seit 20 Jahren was machen müssen“, sagt Michelle F.*, eine Mieterin, die vorerst bleiben kann.

Sie befürchte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis die anderen Bewohner auch wegziehen müssten. In einem der Keller seien Stahlträger aufgestellt worden, um die darüberliegende Wohnung zu stützen. 

In einem Schreiben der SAGA an die Bewohner vom 15. Juli, das den Eimsbütteler Nachrichten vorliegt, heißt es, dass bei den Hausnummern 162–178 „keine vergleichbare Dringlichkeit oder gar eine Gefährdung“ erkennbar sei.

SAGA verzeichnet Erfolgsbilanz

Besonders brisant: Erst vor zwei Wochen gratulierte sich die SAGA in einer Pressemitteilung selbst: „SAGA steuert erfolgreich durch die Krise.“

Die SAGA präsentierte ihren Jahresbericht für das Jahr 2024. Das Unternehmen erreichte demnach einen Jahresüberschuss von mehr als 280 Millionen Euro. In den Bauinvestitionen gab es einen Zuwachs: Über 490 Millionen Euro investierte die SAGA. 

Bei den Bewohnern in der Kieler Straße scheint davon bisher nichts angekommen zu sein. 

Abreißen oder renovieren?

Noch ist unklar, ob die Hausnummern 180 bis 184 saniert oder abgerissen werden – weitere Gutachten seien in Auftrag gegeben worden, sagt Gläser. Es würde aber noch einige Zeit dauern, bis in der Sache eine Entscheidung steht. Ziel sei es, an diesem Standort weiterhin bezahlbaren Wohnraum anzubieten. Egal, ob die Gebäude erneuert oder neu gebaut werden, den jetzigen Bewohnern soll in jedem Fall eine Rückkehr ermöglicht werden.

Über die letzten Monate und Jahre wurden immer wieder Mängel an SAGA-Immobilien öffentlich – so auch am „Katzenhaus“ und in den Grindelhochhäusern.

* Die Namen der Mieterinnen und Mieter wurden von der Redaktion geändert.

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