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Blick in den offenen Hof der Hamburger Burg im Stellinger Weg 36-38. Foto: Rolf Spörhase, Bau Verein zu Hamburg Aktiengesellschaft Hamburg / Geschichtswerkstatt Eimsbüttel
Magazin #20

Straßen in Eimsbüttel: Stellinger Weg

Eimsbüttels städtebauliche Anfänge waren Schauplatz wilder Bebauung und abenteuerlicher Spekulation. Bis eine Genossenschaft den Gegenentwurf zum ungesunden Massenwohnungsbau schuf. Die Geschichte eines der bekanntesten Hamburger Wohnprojekte im Stellinger Weg.

Von Vanessa Leitschuh

Es ist Mitte April 1900, in Paris beginnt die Weltausstellung. Weltneuheiten wie der Dieselmotor oder Vorläufer der Rolltreppe werden vorgestellt, zahlreiche Preise verliehen. Auch ein Eimsbütteler Projekt wird ausgezeichnet: In der Kategorie Architektur sorgt ein Wohnhaus im Stellinger Weg für Aufsehen. Die erste „Hamburger Burg” erhält die Silbermedaille.

Eine Burg für Eimsbüttel

Nicht zuletzt wegen ihrer sozialen Ansprüche. Denn das Wohnprojekt sollte Gegenprogramm zum spekulativen Massenwohnungsbau sein. Im Auftrag des Bau- und Sparvereins zu Hamburg entwarfen die Architekten Rudolf Rzekonski und Richard Just ein Gebäude mit 98 Wohnungen. Ziel der Genossenschaft war es, günstigen und gesunden Wohnraum zu schaffen.

Der Grundriss war ein eckiges Hufeisen, das sich zur Straße hin öffnete. Anders als bei der damals üblichen Straßenrandbebauung ließ dieser Baustil einen Vorhof mit Aufenthaltsflächen zu und kam ohne Hinterhöfe aus. Der neue Bautyp stand im Kontrast zu den dicht gedrängten Gängevierteln der Neustadt, wo feuchte Wohnungen und finstere Hinterhöfe an mittelalterliche Zustände erinnerten.

In der Hamburger Burg sorgten Fenster und Balkone nach vorne und hinten für lichtdurchflutete Wohnungen, die gut durchgelüftet werden konnten. Zwischen 250 und 269 Mark kosteten die 45 Quadratmeter großen Wohnungen und lagen damit rund 150 Mark unter dem Eimsbütteler Durchschnitt. Doch wie kam es zu dem Drängen nach gesundem Wohnen?

Wo die Betten niemals kalt wurden

Eimsbüttels rasantes Wachstum startete mit der Aufhebung der Torsperre 1860. Schon länger hatte dieses mittelalterliche Relikt keine militärische Bedeutung mehr. Doch Grundeigentümer hatten an ihr festgehalten: Durch die Torsperre konnten sie die Mieten innerhalb der Wallanlagen in die Höhe treiben. Denn wer außerhalb wohnte und spät von der Arbeit zurückkehrte, musste täglich eine Sperrgebühr zahlen.

So verwandelte sich Eimsbüttel in atemberaubendem Tempo vom Dorf zum städtischen Wohnquartier. Grundstücksspekulanten begannen das Neuland Eimsbüttel als Goldgrube zu entdecken: Sie parzellierten die Äcker und Wiesen, legten Privatstraßen an und verkauften sie an Bauunternehmer. In Rekordzeit zogen diese ganze Straßenzüge hoch. Ambitionen, aus Eimsbüttel ein vornehmes Wohnviertel zu machen – mit Reihen von Stadthäusern und hübschen Vorgärten wie sie gleichzeitig in Rotherbaum und Harvestehude entstanden – wurden verworfen.

Das Geschäft mit Bodenspekulation florierte um 1870 bereits so sehr, dass nur noch Mietshäuser für Arbeiter gebaut wurden. So unterteilten sich die Stadtteile nach Schichten: Je näher an der Außenalster gelegen, umso vornehmer und teurer die Viertel, umso „besser” die Adresse. Als nicht alsternaher Stadtteil war Eimsbüttel zum Arbeiterviertel geworden, galt als weniger prestigeträchtiges Gründerzeitviertel zweiten oder dritten Rangs.

Antwort auf Spekulation

Profitgier und veraltete Gesetze hatten ihre Spuren hinterlassen: Enge Hinterhofbebauungen und Häuser mit wenig Licht, modriger Luft und Überbelegung waren entstanden. Familien mussten ihre Arbeiterwohnungen an Schlafgänger vermieten, um sich die Miete leisten zu können. Vorwiegend Männer, die auf dem Land lebten, kamen zum Geldverdienen in die Stadt und mieteten sich ein. Oft nur ein Bett, da die Enge es nicht zuließ, ganze Schlafzimmer abzugeben. Die damals übliche Schichtarbeit ließ die Betten nie kalt werden.

Als Antwort auf Spekulation und ungesunden Wohnungsbau gründete sich 1892 der „Bau- und Sparverein zu Hamburg”. Der Verein entstand aus einer christlichen Arbeiterbewegung heraus. Sieben Jahre später wurde die Burg im Stellinger Weg fertiggestellt. Per Los entschied der Verein, wer einziehen durfte. Es waren vor allem Arbeiter, Handwerker und kleine Beamte.

Der lückenhaften Gesetzeslage wurde die Stadt ab Ende 1892 langsam Herr: In dem Jahr wurde der Bebauungsplan in Hamburg Gesetz, bis 1914 folgten Bebauungspläne für die äußeren Stadtteile. Doch da waren Eimsbüttels Grundstücke bereits zerstückelt.

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