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Ukrainischer Abend im Eimsdock: Inhaber Phillipp Schroeder im Interview
Das "Eimsdock" veranstaltete gemeinsam mit zwei jungen Ukrainerinnen einen ukrainischen Abend, um Spenden zu sammeln. "Eimsdock"-Inhaber Philipp Schroeder im Interview. Fotos: Eimsdock
Interview

Ukrainischer Abend: „Es war sehr emotional“

Ein Traum auf der Flucht: ein eigenes Lokal in der Heimat. Olha (17) und Mariia (20) üben im „Eimsdock“ für ihre Zukunft im Frieden in der Ukraine. Philipp Schröder erzählt, wie sie die Chance genutzt haben.

Von Sandra Kunkel

Philipp Schroeder, einer der Wirte des Eimsdock in der Lappenbergsallee, erzählt vom ukrainischen Abend in dem Lokal. Und von Mariia und Olha, zwei Mädchen aus Lwiw, die gekocht und gesungen haben, um ihrer Heimat zu helfen. Die beiden sind seit knapp zwei Monaten in Eimsbüttel.

Auch Mariia erzählt im Interview über ihre tagelange Flucht, ihre Ankunft in Eimsbüttel, die Hilfe, die sie erhalten haben, und den Wunsch, wieder heimgehen zu können. 

Eimsbütteler Nachrichten: Wie war der ukrainische Abend im Eimsdock?

Philipp Schroeder: Sehr emotional. Aber es gab keine Niedergeschlagenheit oder ruhige, traurige Stimmung. Ich glaube, die Gäste und wir haben das als Chance für diese beiden Mädchen gesehen. Und als Chance, den Ukrainerinnen und Ukrainern zu helfen mit dem Erlös, den wir spenden. Deswegen, es wurde sehr emotional.

Es gab ein Drei-Gänge-Menü und am Anfang habe ich, als alle Gäste da waren und sich hingesetzt hatten, ein paar Worte als Gastgeber gesagt, alle vorgestellt, eben auch die beiden, Mariia und Olha. Es kam Applaus und so – bevor wir überhaupt zu den beiden kamen. 

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Was war Mariias und Olhas Aufgabe?

Nach der Vorstellung sind Olha und Mariia erstmal in der Küche verschwunden. Sie haben die Vorspeise gemacht. Und einen Hauptgang. Nach dem Hauptgang, das war so der Siedepunkt, kamen die beiden aus der Küche. Das hatten wir alles so besprochen und vorbereitet. Sie haben drei Lieder gesungen, drei ukrainische Volkslieder. Zwei davon hat unser Mitarbeiter Konstantin auf der Gitarre begleitet.

Diese beiden jungen Frauen haben so viel Respekt bei den Leuten erzeugt. So viel Bewunderung, dass sie in dieser Zeit trotzdem sowas machen, also dieses Kochevent. 

Olha und Mariia können singen? 

Ich glaube, ihre Mutter ist Opernsängerin. Auf jeden Fall ist es eine sehr musische Familie. Sie haben immer kurz anmoderiert, warum sie dieses Lied singen. Für die Heroes in ihrem Land, die gerade die Ukraine defenden…und sowas. Da brachen die Schleusen bei vielen. Bei mir ehrlich gesagt auch. Es gab glasige Augen bis hin zu tiefem Schluchzen, weil es einfach so ein berührender Moment war. Eine Viertelstunde oder so war hoch emotional.

Wie alt sind die beiden?

Sie sind 17 und 20. Beide super professionell, aufgeschlossen, angenehm, englisch fließend – insofern haben sie keine Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen. Seit Anfang März oder seit den letzten Februartagen sind sie hier. Wir haben sie ja von der Grenze abgeholt… Also wir heißt in dem Fall, die Firma, in der ich sonst tätig bin. Wir haben sie abgeholt von der Grenze, nachdem mehrere Fluchtversuche missglückt waren.

Die Firma hat Flüchtlinge an der Grenze abgeholt? 

Wir sind in der Notfallmedizin tätig. Weinmann Emergency Medical Technology, wir machen Medizintechnik. Ich bin da Geschäftsführer. Und als der Krieg ausgebrochen ist, gab es von der Gesellschafter-Seite, vielen Mitarbeitern und Kollegen die Bereitschaft zu helfen. Das ist so der Spirit, der bei uns häufig im Unternehmen auftaucht, wenn es irgendwo eng wird. 

Ich habe mitgeholfen, die Sachen zur Verfügung zu stellen. Aber ins Auto gesetzt haben sich schlussendlich Mitarbeiter. Sie haben sich an die polnisch/ukrainische Grenze gestellt und gewartet. Ganz viele haben aber mitgewirkt, auch Wohnungen zur Verfügung gestellt. Wir haben drei Familien aufgenommen, insgesamt acht Menschen. Ich kümmer mich um eine Familie, aber das sind jetzt nicht Mariia und Olha. Die beiden sind aber auch in Eimsbüttel untergekommen.

Was machen die jungen Frauen hier? 

Die arbeiten weiter. Also Mariia arbeitet weiter im Büro in Stellingen [Anm. d. Red. In Lwiw arbeitete Mariia als Programmiererin in einem ukrainischen Softwareunternehmen mit Kunden in Stellingen], und Olha, ihre Schwester, macht remote school von ihrer Schule in der Ukraine. Sie macht ihre Abschlussklasse, alles online. Die Schule ist noch offen und läuft noch. Sie wollte den Abschluss machen und sich für die Uni bewerben. Aber es gibt einen einheitlichen Uni-Abschluss in der Ukraine. Das klappt jetzt wohl nicht, das ist abgesagt wegen der Situation.

Sie singen, sie kochen. Mariia und Olha scheinen sehr talentiert zu sein.

Singen gehört zu ihrer Erziehung, zu ihrem Leben, bisher dazu. Sie waren ein bisschen aufgeregt in der Küche, aber da haben wir ja mit Stefan einen erfahrenen Koch und Konstantin, der auch Koch ist, hat das alles mit vorbereitet. Stefan musste ihnen in der Küche unter die Arme greifen, da sie natürlich nicht wissen, wie man da für 30 Leute auf den Punkt den Hauptgang rausbringt. Sie waren aufgeregt, aber trotzdem talentiert in der Küche. 

Wie lief es in der Küche ab? 

Das war ein kleiner Kampf. Als Stefan dann da stand, dessen Englisch nicht so wirklich, also… manchmal nicht mehr hilft. Er sagte, übersetz mal, übersetz mal. Die beiden wollten immer mehr auf die Teller bringen. In der Ukraine isst man wohl sehr viel. Viel ist da gut. Für Stefan habe ich dann übersetzt, dass das Ukrainian aber nicht German style sei. Für einige war’s dann auch sehr viel. Nach der Vorspeise kamen zwei Gäste auf mich zu, die sagten, das ist viel zu viel, ich kann gar keinen Hauptgang mehr essen. Wir haben nachher Take-away-Boxen verteilt. Die Leuten wollte das auch alles mitnehmen.

Mariia Haliuk und ihre jüngere Schwester Olha am ukrainischen Abend in der Küche des "Eimsdock". Foto: Eimsdock
Mariia Haliuk und ihre jüngere Schwester Olha am ukrainischen Abend in der Küche des „Eimsdock“. Foto: Eimsdock

Was gab es zu essen? 

Das Essen war super lecker. Als Vorsuppe gab es Borschtsch. Bei der Hauptspeise konnte man wählen zwischen zwei Schweinefleisch-Gerichten. Fleischlastig, weil in der Ukraine ist mit vegetarisch nicht wirklich viel los. Das hatten wir angekündigt, als kleines Manko quasi, weil wir dachten: Eimsbüttel steht auf vegetarisch. Und die Nachspeise war eine Kuchenvariation à la Ukraine. Da haben die zwei alle Kuchen vorher gebacken. Das war auch Talent. 

Wie seid ihr auf die Idee zu der Veranstaltung gekommen?

Das war meine Idee. Ich hatte die acht Personen, die wir aufgenommen haben, zum Burgeressen eingeladen. Sie kannten sich untereinander noch nicht. Auch die jeweiligen Betreuungspersonen waren dabei. Wir haben immer eine Person, die sich um eine Familie kümmert. Da kam ich mit Mariia ins Gespräch und hab gehört, dass sie Softwareprogrammiererin ist und vorhat, einen BWL-Kurs zu machen, um irgendwann ihr eigenes Restaurant, Café oder eine Bakery aufzumachen. Das hat bei mir voll gefunzt, weil ich selbst nicht aus der Gastronomie bin. Ich hab als Student gedacht, ich muss meine eigene Bar haben. Das war also Jahrzehnte mein Traum. 

Und jetzt bist du Nebenerwerbs-Gastronom. 

Zum Glück habe ich mit Stefan einen erfahrenen Gastronom. Das heißt, ich bin seit 1,5 Jahren in der Gastronomie. Als Mariia von ihrem Traum erzählte, dachte ich: Wie cool wäre es, wenn sie die Gelegenheit bekommt, das auszuprobieren mit ihrer Schwester. Von der Vorbereitung bis zu Gästeliste machen und so weiter. Den Preis machen, die Waren einkaufen, vorkochen, und und und. Es war cool für sie, so eine Trockenübung im sicheren Umfeld. Einfach ausprobieren, wie ist es so als Mini-Gastronom.

Aber es war doch mehr als eine Trockenübung? 

Die beiden wollten jetzt ihrem Land helfen. Das ist für sie, glaube ich, die größte Freude gewesen. Und ich hab gedacht, es ist schön für unsere Eimsbütteler Nachbarn, dass die an die ukrainische Küche rankommen und eine andere Kultur kennenlernen – auch mit dem Gesang. Wir haben auch viel Trinkgeld bekommen – also Spenden. Die Gäste hatten eine Möglichkeit zu spenden. Für uns ist es natürlich auch gut, etwas bekannter zu werden.

Wann habt ihr das Eimsdock eröffnet?

Wir haben letztes Jahr im August aufgemacht. Es ging nicht viel. Wir hatten zwei, drei Monate und dann ging wieder nix. Wir hatten eine harte Zeit. Wie eben andere Gastronomen auch. 

Wer waren die 30 Gäste?

Die setzten sich bunt zusammen, aus Gästen, die wir sonst auch im Eimsdock haben, auch welche, die wir nicht kannten, aber auch Menschen die Mariia und Olha während ihrer Zeit hier in Deutschland schon kennengelernt haben. Es waren also auch Ukrainer dabei. Und Leute aus unserem Freundeskreis. Mariia und Olha hätten die Hälfte der Gästeliste selbst besetzen können.

Wieviel ist zusammengekommen?

Knapp über 2.000 Euro an Erlösen. Wir hatten ein Menü, das war etwas teurer, extra. Es kostete 39 Euro. Die Getränke hat jeder à la carte gewählt. Wir haben alle frei gearbeitet bis auf Yvan, ein Ukrainer und Konstantin, die Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Alle anderen haben das umsonst gemacht. Das Vineyard aus der Osterstraße hat Wein kostenlos zur Verfügung gestellt. Pilsener Urquell hat uns ein großes Fass gratis gegeben. Die Lebensmittel haben wir als Spende gegeben.

Wo geht das Geld hin?

Das hatte ich den beiden überlassen, damit sie ein gutes Gefühl haben. Es ist schlussendlich ihr Einsatz – es drehte sich um sie. Das Geld geht an ein Ministerium, eine offizielle Stelle. Dazu gab es einen Flyer.

Vielen Dank für Das Gespräch.

Das sagt Mariia über ihre Flucht, die Ankunft in Eimsbüttel und den ukrainischen Abend im Eimsdock:

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