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Behzad Safari ist der Inhaber des Programmkinos in der Müggenkampstraße. Foto: Catharina Rudschies
Behzad Safari vor seinem Programmkino. Foto: Catharina Rudschies
Filmraum

Ein anderes Kino machen

In einer ehemaligen Eisdiele betreibt Behzad Safari Eimsbüttels kleinstes Kino. Mit dem Filmraum hat er einen Ort geschaffen, der die Tradition der einstigen Hamburger Kino-Hochburg lebendig hält.

Von Eimsbütteler Nachrichten

Unter der Markise des kleinen Programmkinos drängen sich Kinder mit ihren Eltern. Sie mustern die Filmplakate, mit denen die Schaufenster zugeklebt sind. Ein Junge entdeckt das Plakat des Films, der gleich über die Leinwand flimmert: Thabo – Das Nashornabenteuer. Eine Detektivgeschichte. Und dann, endlich, eilt Behzad Safari über die Straße. Im Laufen zieht der Kinobetreiber den Schlüssel aus der Tasche. „Gebt mir zwei Minuten“, sagt er. 

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Eimsbüttels Kinosterben

Die Wartenden drängen ins Trockene – und stehen sofort zwischen samtbezogenen Klappsesseln im Kinosaal. Mit knapp 40 Plätzen ist der Filmraum das kleinste Kino im Stadtteil. Angefangen hat es 2008, zunächst als Filmothek und Café. Angesichts leicht verfügbarer DVDs und entstehender Streamingangebote war das aber kein Modell für die Zukunft.

Heute ist der Filmraum ein Programmkino – und füllt damit eine Lücke in der Eimsbütteler Kulturlandschaft. Noch in den 1960er Jahren galt der Bezirk mit neun Lichtspielhäusern als Kino-Hochburg der Hansestadt. Nach und nach mussten so viele schließen, dass von einem Kinosterben die Rede war. An ihre Stelle sind vor allem Supermärkte und Drogerien getreten.

Ein lebendiger Kulturort

Behzad Safari ist sich dieser Vergangenheit bewusst. 2012, als sich seine Filmothek schon in der Entwicklung zum Programmkino befand, veranstaltete er mit der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel eine Ausstellung zur historischen Kinokultur des Bezirks. Auch einen Dokumentarfilm hat er zum Thema gedreht. Die Idee zum Filmraum war, so sagt er, nicht nur eine Abspielstätte aufzumachen, sondern einen lebendigen Kulturort zu schaffen, der die Kinotradition seines Stadtteils weiterführt.

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Foto: filmRaum

Für ihn bedeutet das: Er muss vieles selber machen. Heute ist kurzfristig ein Mitarbeiter ausgefallen, der für die Vorbereitung eingeplant war. Trotzdem hat Behzad Safari für jeden Kinogast ein Lächeln und nette Worte auf den Lippen. Die persönliche Ansprache ist Teil des Konzepts: Vor jeder Vorstellung begrüßt er das Publikum und sagt ein paar Worte zum Film.

Die meisten Besucherinnen und Besucher wissen das und kommen extra wegen der Einführung. Etwa die Hälfte sind für Behzad Safari bekannte Gesichter, aber es kommen auch Leute aus anderen Stadtteilen, die den Filmraum erst entdecken. 

Keine Blockbuster

Sein Publikum zu kennen sei zentral, um ein gutes Programm zu machen, das nicht nur seinen cineastischen Ansprüchen genüge, sondern mit dem er auch die Kosten decken könne. Neben Autorenfilmen, Kurzfilmprogrammen und dem Kinderkino am Wochenende gibt es daher jeden Monat zwei bis drei finanzkräftigere Filme; Blockbuster aber kaum, und nur, wenn das Thema überzeugt. 

Tickets für 9 Euro

An anderer Stelle muss der Kinobetreiber dafür Abstriche machen. Kulturförderung bekommt er für den Filmraum nicht. Nur einzelne Projekte wie das Open-Air-Kino, das er seit 2019 jeden Sommer im Stadtpark veranstaltet, unterstützen das Bezirksamt oder die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. Die Arbeit, die er reinstecke, stehe in keinem Verhältnis zu dem, was finanziell für ihn herauskomme.

Und man müsse mit Macken leben: Einen richtigen Vorführraum gibt es nicht, der Projektor hängt im Kinosaal unter der Decke, den Film startet er am Computer hinter der Theke. Feste Mitarbeiter hat Behzad Safari kaum, Projekte wie das Sommerkino sind nur durch Ehrenamtliche möglich – eine Familie, die wachse und schrumpfe. 

Viele Kinos haben in den letzten Monaten ihre Ticketpreise erhöht, um die gestiegenen Energiekosten auszugleichen. Der Filmraum noch nicht, obwohl es, wie Behzad Safari sagt, längst nötig wäre. Ein reguläres Ticket verkauft er aktuell für 9 Euro. Trotz aller Herausforderungen blickt er gelassen in die Zukunft: „Krisen hin, Krisen her, da ist immer irgendetwas.“ Man sei ja nicht machtlos und selbst, wenn man viel Geld habe, könne man die Dinge gegen die Wand fahren. „Wir machen hier einfach ein anderes Kino.“

Filmraum, Müggenkampstraße 45

Text: Susanne Mohr


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