Anzeige
Aktualisiere Standort ...
Standort konnte nicht ermittelt werden. Aktiviere deine Standortfreigabe.
Standort wurde erfolgreich ermittelt.
Barbara Witte und Chris Meichner machen bei der Kunstmeile mit - als Künstlerin und als Wohnungsgeberin
Künstlerin Barbara Witte (links) und Wohnungsgeberin Chris Meichner machen bei der Kunstmeile Kottwitzstraße mit. Foto: Christiane Tauer
Kulturveranstaltung

Kunst im Wohnzimmer: Die Kottwitzstraße öffnet ihre Türen

Die „Kunstmeile Kottwitzstraße“ ist eine der vielschichtigsten Kunstausstellungen Hamburgs – die Objekte werden in Privaträumen oder Hinterhofgärten präsentiert. Bei der 26. Auflage dreht sich alles ums Thema „Glück“.

Von Christiane Tauer

In der Kottwitzstraße ist am letzten Augustwochenende das Glück zu finden. In Wohnungen und Kellern, auf Balkonen und in Gärten zeigen am 27. und 28. August mehr als 30 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke zum Thema „Glück“. Der Kottwitzkeller e.V. lädt zum 26. Mal zur „Kunstmeile Kottwitzstraße“ ein.

Entdecken können die Besucher dabei so einiges. Ob überdimensionale Glückskekse aus Kaninchendraht und Packpapier, ein Kartenhaus, das jede Sekunde zusammenfallen kann, oder ein mehr als 60 Jahre alter Kuschelteddy, der in Plastik vakuumiert für immer Trost spenden soll – alle erdenklichen Facetten des Glücks werden behandelt.

Anzeige

Keine Angst vor Kunst

Doch die Werke selbst sind nicht alles. Die Kunstausstellung, an der größtenteils Amateur-Kunstschaffende teilnehmen, lebt von ihrem privaten Rahmen. „Eben weil sie nicht in einer Galerie oder einem Museum stattfindet, verlieren die Leute viel eher ihre Angst vor Kunst“, sagt Wolfgang Scholz.

Scholz ist es auch, der 1996 gemeinsam mit Dieter Tretow den Anstoß für dieses ganz besondere Projekt gab. Seinem Keller in der Kottwitzstraße 10 kam dabei eine zentrale Bedeutung zu. In den schmalen und verwinkelten Gängen unter seiner Altbau-Erdgeschosswohnung präsentierten sie damals erstmalig Kunstobjekte zum Thema „Licht“ – konträrer hätte das Thema zu den dunklen Kellerräumen nicht gewählt sein können.

Alle rein in die gute Stube

„In Privaträumen kommen die Besucher viel schneller mit den Künstlern oder ihren Nachbarn ins Gespräch“, ist Scholz überzeugt. Andererseits kann das Private auch eine Barriere darstellen. „Für manche Leute kann es anfangs schon eine Überwindung sein, einfach in fremde Wohnungen zu gehen.“ Denn neben dem Keller – namensgebend für den Verein „Kottwitzkeller“ – dienen mittlerweile auch Wohnzimmer, Hinterhofgärten oder Hausflure der Nachbarschaft als Ausstellungsorte der „Kunstmeile Kottwitzstraße“.

Sobald jedoch ein Gespräch mit dem Wohnungsbesitzer oder Mieter entsteht, ist die Scheu vor dem fremden Raum schnell verflogen.

Die Nachbarschaft lernt sich kennen

Miteinander sprechen, Neues entdecken und dabei auch noch Kunst erleben – das sind die Gründe, die Chris Meichner vor fünf Jahren dazu brachten, ihre Wohnung in der Hausnummer 44 als Ausstellungsfläche zur Verfügung zu stellen. Sie hatte damals eine Wurfsendung des Kottwitzkeller e.V. in ihrem Briefkasten gefunden. Darin stand: Wohnungsgeber aus der Kottwitzstraße gesucht. „Ich fand es toll, dass man so noch mehr Leute aus der Nachbarschaft kennenlernt.“

Allerdings gibt es auch eine Kehrseite. Chris Meichner erzählt, dass viele Bekannte sie gefragt hätten: Hast du nicht Angst, dass etwas aus deiner Wohnung wegkommt? Was ist mit dem Dreck, der hineingetragen wird?

Kunstmeile Kottwitzstraße: Die Idee zählt

Doch an diese Dinge hätte sie gar nicht gedacht. „Die Idee hinter dieser Aktion hat einen viel höheren Stellenwert für mich“, sagt Meichner, die als Koordinatorin für bürgerschaftliches Engagement bei der Evangelischen Stiftung Alsterdorf arbeitet.

Dieter Tretow (links) und Wolfgang Scholz zeigen einen überdimensionalen Glückskeks auf der Kunstausstellung. Foto: Christiane Tauer

Auch ein Kartenhaus, das in sich zusammenfallen könnte, wird gezeigt. Foto: Christiane Tauer

Als Publikumspreis gibt es diesmal einen goldenen Wolf. Foto: Christiane Tauer

Am Ausstellungswochenende wird sie mehreren Kunstschaffenden eine Präsentationsfläche in ihrer Wohnung freiräumen – Barbara Witte ist eine der Ausstellenden. Die Künstlerin lebt eine Straße weiter in der Wrangelstraße und nimmt bereit seit sechs Jahren an der „Kunstmeile Kottwitzstraße“ teil. Auch für sie ist der außergewöhnliche Rahmen das ausschlaggebende Kriterium für ihre Teilnahme. „Hier werden Schwellenängste abgebaut.“

Skulptur soll in der Sitzecke Platz finden

Ihre etwa einen Meter hohe Glücksboten-Skulptur aus Beton, die sie auf der Kunstmeile zeigen will, sei momentan noch in der Entstehung, erzählt sie. Mit Chris Meichner hat sie sich aber bereits über den Platz für das Objekt verständigt: In der kleinen Sitzecke vor dem Fenster soll es stehen.

Ein Zettel wird die Besucher auf das Ausstellungsstück aufmerksam machen – damit es am Ende nicht etwa zu einer Verwechslung mit Chris Meichners Wohnungseinrichtung kommt.

Fahne und Pfeil weisen den Weg

Vor dem Haus werde zudem eine Fahne angebracht, die die Besucher auf den Ausstellungsort hinweise, erklärt Andreas Hertz-Eichenrode vom Förderverein Kottwitzkeller. Der Förderverein ist für das organisatorische Drumherum der „Kunstmeile Kottwitzstraße“ verantwortlich. Und damit sich auch im Haus niemand verläuft, soll ein weiterer Hinweispfeil direkt auf die Tür zur teilnehmenden Wohnung verweisen.

Mit durchschnittlich 700 Besucherinnen und Besucher an den zwei Tagen rechnet Hertz-Eichenrode. Ihnen wird neben der Kunst auch ein Rahmenprogramm aus Musik, Theater und Improvisation geboten. Im Hof der Hausnummer 24 gibt es außerdem Essen und Trinken. Zudem sind Führungen zu den Kunstobjekten geplant, an denen bis zu 20 Personen teilnehmen können.

Kunstmeile Kottwitzstraße: „Im Maul des Wolfs“

Den Abschluss der Kunstmeile bildet am Sonntagnachmittag die Verleihung des Publikumspreises – diesmal eine goldene Wolfsskulptur. „Die Skulptur wird immer an das jeweilige Thema der Ausstellung angepasst“, sagt Wolfgang Scholz.

Bleibt zu klären, was der Wolf mit Glück zu tun hat. Ganz einfach: Im Italienischen gibt es die Redewendung „In bocca al lupo“. Das bedeutet so viel wie „Viel Glück“ oder „Hals- und Beinbruch“. Wörtlich übersetzt würde es aber „Im Maul des Wolfs“ heißen – und schon ist die Verbindung zur Wolfsskulptur da.

beenhere

Kunstmeile Kottwitzstraße

Die Kunstausstellung und das Rahmenprogramm laufen am Samstag, 27. August, von 15 bis 21 Uhr und am Sonntag, 28. August, von 11 bis 16 Uhr. Die Veranstaltungsfläche liegt zwischen Eppendorfer Weg und Bismarckstraße.

Der Förderverein Kottwitzstraße e.V. besteht aktuell aus 25 Mitgliedern und freut sich über jede weitere Unterstützung – finanzieller Art oder als Wohnungsgeber für die kommenden Ausstellungen. Ansprechpartner ist Andreas Hertz-Eichenrode, 0160 7091391.

Alle weiteren Informationen und das komplette Programm gibt es unter www.kottwitzkeller.de.

Eimsbüttel+

Weiterlesen

Am Mittwochmorgen brannte ein Wohnhaus in der Vereinsstraße in Eimsbüttel. Die Einsatzkräfte fanden bei den Löscharbeiten eine tote Person.

Auf dem „Platz der Jüdischen Deportierten“ ist ein Mahnmal mit dunkler Farbe besprüht worden. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Plötzlich waren sie da – und alle fragen sich: warum? Seit Dezember stehen mehrere Betonklötze im Bezirk. Über die grauen Steine im grünen Eimsbüttel.

„JayJay’s Bowls, Juices & more“ hat im Stellinger Weg eröffnet. Was das mit Fußball zu tun hat und warum die Gastro-Kette nach Eimsbüttel wollte.

-

Schlankreye 47
20144 Hamburg

Eimsbüttel+

Stromtarif-Banner

Gratis für 1 Jahr

Lese ein Jahr gratis Eimsbüttel+ beim Wechsel zu Eimsbüttel Strom.*

*Nur für Neukunden Wechseln und Prämie sichern