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Kay Kludzuweit ist seit drei Jahren als BFS in Eimsbüttel unterwegs.
Kay Kludzuweit ist seit drei Jahren als BFS in Eimsbüttel unterwegs. Foto: Valentin Hillinger
Interview

„Uniform sorgt für Distanz“: Eimsbütteler Stadtteilpolizist im Gespräch

Zuhören und verstehen statt festnehmen und einsperren: Kay Kludzuweit ist als bürgernaher Beamter auf Eimsbüttels Straßen unterwegs. Wir haben mit ihm über seinen Alltag gesprochen.

Von Valentin Hillinger

Sie lösen Konflikte und sind im Stadtteil präsent: Stadtteilpolizisten. Zu Fuß und meist alleine kümmern sie sich auf kurzen Dienstwegen um ihr Viertel. 

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Kay Kludzuweit ist für Eimsbüttel zuständig. Was sind seine Aufgaben? Und wie nimmt er den Stadtteil wahr?

Seit drei Jahren „Besondere Fußstreife“

Mit 17 Jahren kam Kludzuweit zur Polizei. Schon damals interessierte er sich für den Beruf „Stadtteilpolizist“. Nach 40 Dienstjahren und mehreren Stationen bei verschiedenen Einheiten ist er an seinem Ziel angekommen: Seit gut drei Jahren ist Kludzuweit als „Besondere Fußstreife“ im Viertel unterwegs. 

Im Gespräch erzählt er von seiner Arbeit in Eimsbüttel.

Für Bürger ansprechbar

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? 

Kay Kludzuweit: Abwechslungsreich. Eigentlich kann man sagen, Stadtteilpolizisten sind die „Mädchen für alles“. 

Welche Aufgaben haben Sie als Stadtteilpolizist? 

Ich bin viel auf Fußstreife unterwegs und für die Bürger ansprechbar. Wenn jemand Opfer einer Straftat wird, führe ich Beratungsgespräche. Ich bin mit vielen Geschäftsinhabern und Institutionen in Kontakt und unterstütze Schulen und Kitas bei der Schulwegsicherung oder den Fahrradprüfungen. Ansonsten helfe ich bei verschiedenen Ermittlungen oder großen Veranstaltungen. 

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Bünabe oder BFS?

Früher wurden Stadtteilpolizisten als „Bünabes“ – bürgernahe Beamte – bezeichnet. Dieser Begriff wird von der Polizei nicht mehr verwendet. Heute lautet die offizielle Bezeichnung „BFS“: besonderer Fußstreifendienst. Im Alltag und unter Kollegen nennen sich die Beamten meistens „Stadtteilpolizisten“, erklärt Kludzuweit.

Viel Zeit für Eimsbüttels Probleme

Was unterscheidet Ihre Arbeit von der klassischen Polizeiarbeit? 

Meine Einsätze sind nicht dringlich. Im Streifenwagen muss man schnell zum Einsatz fahren und danach weiter zum nächsten. Wenn zum Beispiel ein Raub passiert, bin ich nicht dabei. Stadtteilpolizisten haben den Vorteil, dass sie sich Zeit nehmen können und sich bis zum Ende um die Anliegen kümmern. Wenn sich zwei Mieter streiten, versuche ich, mit ihnen gemeinsam eine Lösung zu finden. 

Welche Fälle begegnen Ihnen auf Eimsbüttels Straßen?

Typisch sind klassische Nachbarschaftsstreitigkeiten, bei denen sich jemand über Blumentöpfe im Treppenhaus beschwert. Ich versuche, als Mediator eine Lösung zu finden. Ein anderes Beispiel sind die Hunde im Park am Weiher, die oft ohne Leine laufen. Im Frühjahr, wenn die Jungvögel brüten, sagen einige: „Die Hunde müssen raus“. Dann versuche ich, einen Konsens mit den Hundebesitzern zu finden. 

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Stadtteilpolizist im Kerngebiet

Kay Kludzuweit ist Stadtteilpolizist im Kernbereich Heußweg bis Fruchtallee, über den Doormannsweg bis zum Schulweg, Im Gehölz und weiter über die Unnastraße. „Ein richtig schönes Viereck“, findet der 58-Jährige. 

Probleme? Stadtteilpolizisten sind alleine unterwegs

Haben Sie manchmal mit Problemen zu tun, die Sie als Polizist nicht lösen können? 

Ja, und das ist ärgerlich. Zum Beispiel, wenn die Konfliktparteien nicht zu einem Kompromiss bereit sind. Dann sind uns die Hände gebunden.  

Welche Herausforderungen hat der Job als Stadtteilpolizist? 

Ich bin alleine unterwegs. Wenn man also eine Streitpartei von zwei Personen hat, die sich gegen einen stellt, ist man in der Unterzahl. In solchen Fällen fordere ich Unterstützung an.  

„Wir nehmen jedes Anliegen ernst“

Warum ist die Arbeit eines Stadtteilpolizisten wichtig? 

Wir kümmern uns um alles. Wir nehmen jedes Anliegen ernst. Wenn ein Wunsch nicht erfüllt werden kann, versuchen wir, das zu erklären. Zum Beispiel, wenn sich jemand einen Fußgängerüberweg in einer 30er-Zone wünscht. Das ist rechtlich nicht möglich, aber viele wissen das nicht. Dann erklärt man, dass man den Wunsch versteht, aber es leider nicht geht. Das verstehe ich unter „bürgernah“.

Sollten nicht alle Polizisten bürgernah sein? 

Jeder Polizist ist bürgernah, aber nicht jeder ist ansprechbar. Beispielsweise wenn Polizisten im Streifenwagen zum Einsatz fahren. Wir haben den Vorteil, dass wir uns in unseren Gebieten auskennen und den Bürgern Rede und Antwort stehen. Man kann über alles schnacken. 

Gibt es manchmal Situationen, in denen Sie „zu nah“ dran sind? 

Nein. Dafür sind wir ausgebildet worden. Zudem bringt die Uniform die notwendige Distanz. Ich kann nicht ausschließen, dass andere näher dran sind, als sie sein sollten. Auf mich trifft das nicht zu. Das würde rechtliche Schritte nach sich ziehen.

Der 58-Jährige Kay Kludzuweit wollte schon immer Stadtteilpolizist werden. Foto: Valentin Hillinger
Kay Kludzuweit ist seit fast 40 Jahren Polizist. Foto: Valentin Hillinger

Stadtteilpolizist wünscht sich in Eimsbüttel mehr Selbstreflexion

Wie nehmen Sie Eimsbüttel wahr? 

Ich habe einen großen Bezug zu Eimsbüttel, weil ihr hier schon lange arbeite. Deshalb weiß ich, was hier vor 40 Jahren los war. Das ist hilfreich, wenn ich mit älteren Menschen zu tun habe. Die meisten Eimsbütteler sind freundlich, respektvoll und kommunikativ. Es herrscht ein sehr angenehmes Arbeitsklima.

Hamburg ist eine Großstadt – und Eimsbüttel gehört dazu. Wir haben eine normale Kriminalitätslage. Was hier häufiger passiert als in anderen Stadtteilen, sind Fahrraddiebstähle. Wo viele Fahrräder herumstehen, sind auch viele, die eins klauen wollen. Das ist ärgerlich. 

Was möchten Sie den Eimsbüttelern mitgeben? 

Ich würde mir wünschen, dass die gegenseitige Rücksichtnahme mehr im Vordergrund steht. Und dass jeder zuerst an seine Bürgerpflichten als an seine -rechte denkt. Wenn sich jeder ein bisschen mehr reflektiert, wäre das gut für das Zusammenleben in Eimsbüttel.


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