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Die Villa Lupi liegt idyllisch am Rande des Henry-Vahl-Parks. Doch die Bewohner trüben das Bild.
Die Villa Lupi liegt idyllisch am Rande des Henry-Vahl-Parks. Doch ihre mysteriösen Bewohner trüben das Bild. Foto: Christiane Tauer
Immobilien

Die Villa Lupi und ihre rätselhaften Bewohner

Sie fliehen vor der Polizei über Dächer und zahlen ihre Miete in bar an einen Unbekannten. Wer sind die Bewohner der Villa Lupi?

Von Christiane Tauer

Die Fenster sind mit großen Papierbahnen abgeklebt, an der Türklingel steht kein Name. Und wenn abends Stimmengewirr aus den geöffneten Fenstern dringt, vernehmen die Anwohner osteuropäische Sprachen.

Seit zwei Jahren rätselt die Nachbarschaft der Villa Lupi, was es mit den Bewohnern der Immobilie am Heußweg 40 auf sich hat. Eine Antwort hat sie bisher nicht erhalten.

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Villa Lupi ist offiziell unbewohnt

Offiziell gilt das Gebäude als unbewohnt – doch ganz offensichtlich ist das Gegenteil der Fall. „2021 ging es auf einmal los“, hatte Nachbarin Gesa von Staden bereits im Sommer vergangenen Jahres gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten berichtet. Quasi über Nacht zog eine größere Gruppe von Männern in das ehemalige Kulturzentrum, das auf einem städtischen Erbbaurechts-Grundstück steht.

Bis heute hat Gesa von Staden mit keinem der Männer ein Wort gewechselt, niemand sprach Deutsch. Sie hat lediglich beobachtet, dass sich die Bewohnerschaft immer wieder verändert und neue Männer in das Haus ziehen, während die vorherigen verschwinden.

Ratten, Müll und Ruhestörung

Gesa von Staden hat sich in den vergangenen zwei Jahren viel geärgert. Zunächst über eine Vermüllung des Grundstücks, über Ratten und nächtliche Ruhestörung. Dann über Fassadenteile, die vom baufälligen Gebäude herabzufallen drohten. Immer wieder hatte sie deswegen Kontakt mit unterschiedlichen Behörden und der Polizei.

Den vorläufigen Höhepunkt des Rätselratens erlebte die Nachbarin in der Nacht vom 5. auf den 6. November des vergangenen Jahres. Nachdem schon den ganzen Abend über Lärm, Musik und Gegröle aus der Villa Lupi gedrungen waren, riefen sie und andere Anwohner erneut die Polizei.

Flucht aus dem Seitenfenster

Als diese ankam, sah die Nachbarin, wie Männer aus dem Seitenfenster des ersten Stocks sprangen und über das angrenzende Dach flüchteten. Die Polizei konnte letztlich keinen der Geflüchteten stellen.

Wie die Ermittlungen weitergingen, hat Gesa von Staden nie erfahren. Auch ein einige Monate zuvor stattgefundener Polizeieinsatz scheint ohne Ergebnis geblieben zu sein.

Polizei traf sechs Albaner an

In einem Polizeiprotokoll vom 7. Januar 2022, das den Eimsbütteler Nachrichten vorliegt, finden sich aber durchaus Hinweise zu den Bewohnern. So schreiben die Polizeibeamten: „In den Räumen des ersten Stockwerkes wurden sechs albanische Staatsbürger angetroffen, welche dort mit einer einfachen Küche sowie einem funktionierenden Badezimmer und diversen Matratzen nächtigten.“

Im zweiten Stockwerk stießen die Beamten auf eine weitere Wohnung mit vier albanischen Staatsbürgern. Darüber hinaus bemerkten sie, dass im gesamten Haus Strom und Wasser funktionierten.

Wöchentlich 300 Euro Miete in bar

Weiter heißt es: „Einer der albanischen Staatsbürger gab uns gegenüber an, dass er jeden Monat 300 Euro an Miete bezahlen würde. Dafür käme regelmäßig gegen 13 Uhr der männliche Vermieter vorbei und fordere das Geld in bar. Wer der Vermieter sei, kann er nicht sagen.“
Die Beamten notierten weiter, dass weder ein schriftlicher Mietvertrag vorliege noch einer der Albaner einen längerfristigen Aufenthaltstitel nachweisen könne. Welchem Beruf die Bewohner nachgingen, konnten sie nicht ermitteln. Sie folgerten, es bestehe der Verdacht, dass in der Villa Lupi Wohnraum ohne steuerliche Abgaben vermietet werde. Heißt übersetzt: illegal.

Villa Lupi: Niemand fühlt sich zuständig

Welche Konsequenzen all diese Einsätze hatten, bleibt unklar. Das Objekt sei ihnen sowie dem zuständigen Stadtteilpolizisten bekannt, teilt die Pressestelle der Polizei auf Nachfrage mit. Vereinzelt sei es auch zu polizeilichem Einschreiten gekommen, beispielsweise in Zusammenhang mit ruhestörendem Lärm und einer Müllproblematik.

Was Miet- oder Belegungsverhältnisse von Wohnraum angehe, seien sie aber nicht nicht zuständig, sondern das Bezirksamt. Das Bezirksamt Eimsbüttel wiederum verweist auf Nachfrage an den Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG). Dies liegt an der komplizierten Struktur der Villa Lupi als Immobilie auf einem städtischen Erbbaurechts-Grundstück.

Eigentümer weist Verantwortung von sich

Dass sich offenbar niemand zuständig fühlt, hat auch Nachbarin Gesa von Staden regelmäßig erlebt. Immer wieder hat sie sowohl vom LIG als auch vom Bezirksamt gehört, sie solle sich mit ihren Anliegen an den jeweils anderen wenden.

Selbst der Eigentümer der Villa Lupi, Immobilienhändler Matthias Haase, kann das Mysterium um die Bewohner nicht lösen. Auf Nachfrage der Eimsbütteler Nachrichten stellt sein Rechtsanwalt Joachim Kloos klar: „Herr Haase hat nichts damit zu tun, von uns hat niemand einen Schlüssel bekommen.“

Schlüssel zur Villa Lupi beim Mieter

Außerdem läge der Schlüssel zum Gebäude noch bei seinem ehemaligen Mieter S., so Kloos. Mit S. trug Haase bis vor Kurzem einen Rechtsstreit aus, der im Januar sein Ende fand. Aktuell führt er mit dem LIG Gespräche über eine vorzeitige Rücknahme des Erbbaurechts durch die Stadt – Ausgang ungewiss. Und solange das der Fall ist, dürfte auch die Frage der Bewohner ungeklärt bleiben.

Bleibt noch die Nachfrage beim ehemaligen Mieter S. Dieser weist aber ebenso wie der Vermieter jegliche Verantwortung von sich. Sein Rechtsanwalt Marcus Kaliner teilt mit: „Wir wissen auch nicht, wer die Bewohner sind.“ Herr S. sei es nicht gewesen, der sie in das Haus gelassen habe.

Wer hat die Haustür geöffnet?

Es stimme zwar, dass S. den Schlüssel zur Immobilie noch besitze. Der sei aber in der Kanzlei zur Herausgabe an den Vermieter hinterlegt. „Der Vermieter und sein Rechtsbeistand verweigern jedoch bislang die Annahme der Schlüssel.“

Wie die Bewohner dann in die Immobilie gekommen sein könnten, wenn niemand sie durch die Haustür hereingelassen hat – es bleibt ein Rätsel.

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Der Rechtsstreit zur Villa Lupi

Die Beteiligten des Rechtsstreits zur Villa Lupi sind Eigentümer Matthias Haase, der zudem auch Erbbaurechtsnehmer ist, da die Immobilie auf einem städtischen Erbbaurechts-Grundstück steht, sowie sein ehemaliger Mieter S. Dieser ist mit verschiedenen gewerblichen Unternehmungen in Hamburg tätig und wollte in der Villa Lupi einen Gastronomiebetrieb einrichten.

Für einen Umbau bekam S. aber keine Baugenehmigung von der zuständigen Eimsbütteler Behörde. Grund waren die engen Vorgaben des Erbbaurechtsvertrags, die keine Vollgastronomie in der Immobilie vorsahen.

Das im Januar ausgesprochene Gerichtsurteil machte dies noch einmal deutlich. In seiner Argumentation ging das Gericht vor allem auf den Bebauungsplan für das Areal ein. Dieser erlaube keine „Verfestigung der baulichen Nutzung“ des Grundstücks, da das Gebäude nach Ende des bestehenden Erbbaurechtsvertrags im Jahr 2032 sowieso abgerissen und das Grundstück dem Henry-Vahl-Park zugeschlagen werden soll.

Aus Sicht des Eigentümers ist die Nutzungsmöglichkeiten der Immobilie also stark beschränkt. Deshalb kam es zu den Gesprächen mit dem städtischen Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) über ein vorzeitiges Ende des Erbbaurechtsvertrags.


Auch wenn nicht geklärt ist, wer die aktuellen Bewohner der Villa Lupi sind, so gibt es dennoch Interessenten an einer zukünftigen Nutzung – und das sind alte Bekannte. Wer jetzt seine drei Jahre alten Pläne wieder aus der Schublade holt.


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