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Franz Fleischmann ist der Inhaber des Traditionsladens "Gerd Jansens Pfeifendepot".
Der Traditionsladen "Gerd Jansens Pfeifendepot" liegt in der Methfesselstraße. Foto: Valentin Hillinger
Einzelhandel

Eimsbüttels Traditionsläden – Wer trotzt der Krise?

„Traditionsladen schließt“ – Überschriften wie diese liest man nicht nur in Eimsbüttel immer häufiger. Doch es gibt auch alteingesessene Geschäfte, denen es gut geht. Was machen sie anders?

Von Valentin Hillinger

Ein paar Treppen nach unten, eine schwere Holztür. Wenn man sie öffnet, ertönt ein Glockenspiel. Der Geruch von Tabak steigt in die Nase. Ringsum türmen sich Tabakdosen, Pfeifen und edle Spirituosen. Hier fühlt man sich wie in einem anderen Jahrhundert.

Gerd Jansens Pfeifendepot ist ein Traditionsladen, wie er im Buche steht. Seit den 70er-Jahren gibt es das kleine Geschäft in der Methfesselstraße. Trotz Inflation, Pandemie und Digitalisierung stehe er ganz gut da, sagt Inhaber Franz Fleischmann.

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Einzelhandel vor Herausforderungen

Das ist nicht selbstverständlich. Viele Gewerbe haben mit der aktuellen Situation zu kämpfen. Anfang des Jahres mussten sich die zwei Traditionsbetriebe Schlachterei Hans Wagner und die Konditorei Peukert für immer aus Eimsbüttel verabschieden.

Die Herausforderungen für kleine Geschäfte sind groß: Steigende Kosten, Gentrifizierung und der Druck aus dem Online-Handel stellen viele Betreiber vor die Frage: „Wie können wir uns halten?“ Wir haben uns umgehört. 

Möbelgeschäft feiert Jubiläum

Die Wohnvilla Cramer feiert bald 60-jähriges Jubiläum. Das Familienunternehmen wurde in Eimsbüttel gegründet. Heute gibt es mehrere Standorte in Hamburg, Elmshorn und Berlin.

Dabei braucht es den Möbelladen eigentlich nicht mehr, gibt Inhaber Christian Cramer zu. Möbel könne man genauso gut im Internet bestellen. Was also macht die Wohnvilla trotzdem so erfolgreich? Gute Beratung, erklärt der Inhaber. Die Angestellten nehmen sich Zeit für die Kunden und planen jeden Raum individuell – besser als ChatGPT, so Cramer. 

Traditionsläden: Persönlicher Kontakt zu Kunden

Auf Beratung setzt auch der über 45 Jahre alte Buchladen Osterstraße. Hier ist der Druck der Konkurrenz besonders groß: Internet-Riesen wie Amazon und Ketten wie Thalia versuchen, den unabhängigen Buchhandel zu verdrängen, erklärt Geschäftsführer Torsten Meinicke. 

Der Schlüssel zum Erfolg? Individuelle Empfehlungen und persönlicher Kontakt zu den Kunden, so Meinicke. Doch ohne Internet geht es auch beim Buchladen nicht: Kunden können dort auch online Bücher  bestellen. „Wenn wir das nicht bieten würden, könnten wir nicht überleben“, so Meinicke. 

Online Tabak kaufen

Ähnlich ist es beim Pfeifendepot. Rund die Hälfte der Umsätze kommen mittlerweile aus dem Online-Geschäft, so Inhaber Franz Fleischmann.

Der gebürtige Münchner übernahm den Laden vor 13 Jahren. Seitdem er einen eigenen Online-Versand aufgebaut hat, merkt er stetig Zuwächse.

Wer braucht schon das Internet?

Für Leder Israel stellt der Online-Handel hingegen keine Konkurrenz dar. Taschen und Koffer seien mittlerweile Statussymbole geworden, erklärt Torsten Lefin. Kunden wollen die Produkte ansehen und anfassen können, bevor sie sie kaufen, so der Inhaber. 

Ein weiterer Pluspunkt für den Laden: Der Service nach dem Kauf. Reparaturen und Rückgaben für große Produkte wie Reisekoffer seien vor Ort einfacher. „Das merken die Kunden spätestens nach dem ersten missglückten Online-Kauf“, sagt Lefin. Einen eigenen Online-Shop stellte er nach kurzer Zeit wieder ein.

Experte: „Handel unter Druck“

Der Handel befinde sich schon seit längerer Zeit unter Druck, erklärt Sascha Anders von der HafenCity Universität Hamburg. Er untersucht, wie sich Innenstädte verändern. Die Corona-Pandemie habe das Ladensterben beschleunigt, sagt er. 

Fragt man Eimsbütteler Traditionsläden, hört man andere Geschichten: „Im Home-Office konnten mehr Menschen rauchen“, erklärt Pfeifendepot-Inhaber Fleischmann die gestiegene Nachfrage nach Tabakwaren während der Lockdowns

Von Corona profitiert?

Auch in der Wohnvilla Cramer und im Buchladen habe man einen positiven Trend durch Corona bemerkt. Statt eines Urlaubs kauften die Menschen neue Möbel, statt des Theaterbesuchs ein Buch. Selbst die Koffer und Taschen von Leder Israel wurden trotz Reisebeschränkungen nachgefragt. 

Wie also können Traditionsläden trotz der Krisen bestehen? Durch Veränderung, sagt Torsten Lefin von Leder Israel. Sein Laden könne nur überleben, weil er sich anpasst. Angefangen hat das Familienunternehmen vor 133 Jahren mit Pferdegeschirr. „Heute verkaufe ich Koffer, morgen vielleicht Schuhe“, so Lefin. 

Zu Veränderungen gezwungen

Experte Sascha Anders sieht das ähnlich. Durch strukturelle Veränderungen wie Gentrifizierung und Digitalisierung seien Betreiber von Geschäften zu Veränderungen gezwungen.

Dazu zählen nicht nur kleine Anpassungen am Sortiment, sondern auch grundlegende Neuerungen des Geschäftsmodells. 

Traditionsläden: Nische statt Breite?

Doch es gibt auch andere Wege. Als Fleischmann das Pfeifendepot vom Gründer übernahm, wollte er möglichst wenig verändern. Die Identität des Ladens sollte erhalten bleiben. Seine Antwort auf Online-Konkurrenz ist die Nische. „Man muss besonders sein“, so Fleischmann. Bei der Menge des Angebots könne er nicht mit großen Händlern mithalten. Also spezialisiert er sich auf seltene Pfeifen, Sammlerstücke und speziellen Tabak, den es nur bei ihm gibt. 

Auch im Buchladen Osterstraße versucht man, besonders zu sein. Zwar habe man sich über die Jahre angepasst – statt Marx und Lenin steht heute mehr feministische Literatur in den Regalen –, doch das Alleinstellungsmerkmal sind wie zur Gründung Bücher von unabhängigen Verlagen. Das hebe ihn von den Ketten ab, so der Inhaber. 

Böse Kette, gute Kette?

Stichwort Kette – große Firmenketten werden häufig als Gegenspieler zu den kleinen inhabergeführten Geschäften ins Spiel gebracht. Die Stoßrichtung der Debatte ist meist eindeutig: Filialen großer Unternehmen sind schlecht, weil sie kleine Läden verdrängen. Sascha Anders argumentiert anders. Die Einteilung in Gut und Böse hält er für überzogen. 

Die Grenze zwischen Filialen und inhabergeführten, individuellen Geschäften sei oft fließend. Zudem können auch Filialen zur Belebung von Stadtteilen beitragen, so Anders. Auch zu Ketten wie Karstadt oder Heymann können Kunden eine emotionale Bindung aufbauen. Wichtig sei, dass der öffentliche Raum um die Geschäfte herum attraktiv gestaltet wird. Als positives Beispiel nennt er die Umgestaltung der Osterstraße

Traditionsläden in Eimsbüttel: Wie sieht die Zukunft aus?

Für Eimsbüttel sieht Anders viel Potenzial für die Zukunft. Die Inhaber der Traditionsläden hingegen haben gemischte Gefühle. Während Leder Israel nach 133 Jahren bald einen zweiten Standort eröffnen will, ist Torsten Meinicke vom Buchladen weniger optimistisch: „We will see what tomorrow brings“, sagt er. 

Unter anderem die steigenden Mieten geben ihm zu bedenken. „Es gibt immer die Angst, dass Häuser reine Spekulationsobjekte werden.“ Doch wegziehen ist für ihn keine Option. Wo soll der Buchladen Osterstraße auch sein, wenn nicht in der Osterstraße?

Torsten Lefin ist seit 2021 Inhaber von „Leder Israel“. Foto: Valentin Hillinger

Torsten Meinicke und Bettina Wittich arbeiten im „Buchladen Osterstraße“. Foto: Valentin Hillinger

Christian Cramer leitet die „Wohnvilla Cramer“. Foto: Valentin Hillinger


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