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Hamburg Eimsbuettel Demenz WG DRK. Foto: Monika Dzialas
Beim gemeinsamen Kochen. Foto: Monika Dzialas
Demenzerkrankung

Mehr als „Honig im Kopf“: Wohngruppe für Menschen mit Demenz

Die Aktionswoche rund um den heutigen Welt-Alzheimertag soll auf die Situation Betroffener aufmerksam machen. Die Pflegekräfte der Eimsbütteler Wohngruppe für Menschen mit Demenz fordern ein tieferes Verständnis für die Erkrankung. Gemeinsam mit den Bewohnern gestalten sie den Alltag und geben Orientierung.

Von Monika Dzialas

Rund um den heutigen Welt-Alzheimertag findet in Hamburg eine Aktionswoche statt, die sich mit der Demenzerkrankung und ihren Folgen auseinandersetzt. Doch nicht nur in dieser Woche ist das Krankheitsbild und der Verlust von Gehirnfunktionen für die Betroffenen und ihre Angehörigen allgegenwärtig. Bereits seit 2015 gibt es unweit der S-Bahn-Station Langenfelde eine Wohngruppe für Menschen mit Demenz, die vom „Deutschen Roten Kreuz“ betrieben wird.

Selbstbewusstsein im Alltag stärken

Ein in gelb und pink bemalter Flur führt entlang der zehn Einzelzimmer, die jeweils mit einem Bad ausgestattet und individuell eingerichtet sind. Am Ende erstreckt sich eine helle und offene Küche, die in ein mit Sofas bestücktes Wohnzimmer und ein großes Esszimmer mit Terrasse mündet. Durch die persönliche Einrichtung soll sich bei den Bewohnern ein Gefühl von Sicherheit und Zuhause einstellen.

Hamburg Eimsbuettel Demenz WG DRK Langenfelde.
Verweilen und Stricken im Wohnzimmer. Foto: Monika Dzialas

Betreut werden die Bewohner der WG rund um die Uhr von einem Team aus Pflegekräften, Therapeuten und studentischen Nachtwachen. Gemeinsam mit den Bewohnern gestalten sie den Alltag, geben ihnen „Selbstbewusstsein über feste Tätigkeiten“ und helfen, „wo es nicht weitergeht“, erklärt der Teamleiter Malte Kock.

Hausbesuche gegen Vereinsamung im Alter

Das Pilotprojekt "Hamburger Hausbesuche für Senioren" hat offiziell begonnen. Eimsbütteler im hohen Alter sollen unterstützt werden, sodass sie möglichst lange aktiv und selbstbestimmt leben können.

Das Wichtigste sei, mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen und den Bewohnern „Orientierung zu geben, da sie in eine Parallelwelt abdriften, die sie selbst nicht mehr verstehen“, fährt Kock fort. Neben dem gemeinsamen Zubereiten der Mahlzeiten wird auf Ruhepausen geachtet, um stressige Situationen zu vermeiden.

Angehörige gestalten mit

In den 1990er Jahren ist das Wohn- und Betreuungskonzept in Berlin gestartet. Inzwischen haben sich deutschlandweit verschiedene Konzepte entwickelt. In Eimsbüttel wird die Wohngruppe auch von den Angehörigen mitgestaltet.

Laut der Bundesregierung seien die Familien der größte Pflegedienst für demente Menschen. Kock kritisiert jedoch, dass den Familien „eine große Aufgabe aufgebürdet wird, die sie nicht schultern können und auch nicht müssen“.

ETV: Sportangebot für Menschen mit Demenz

Der Eimsbütteler Turnverband bietet ab April Sport für Menschen mit Demenz an. Das neue Programm richtet sich speziell an ältere Vereinsmitglieder mit Gedächtnisproblemen. Am 21. März lädt der ETV zu einer Informationsveranstaltung.

Zwar haben die Angehörigen in der Wohngruppe die Pflicht, sich in das Leben der Bewohner einzubringen, aber „sie müssen den Raum haben, ihr eigenes Leben weiterzuführen“, betont Kock. Es komme mehr darauf an, die gemeinsame Zeit mit positiven Erlebnissen zu verbringen und nicht gestresst einer täglichen Pflicht nachzukommen.

Demenz in seiner Tiefe verstehen

Die Kosten für die Miete der Zimmer von 511 Euro warm übernehmen Angehörige oder gesetzliche Vertreter. Zusätzlich müssen die Pflegeleistungen anteilig bezahlt und monatliches Haushaltsgeld entrichtet werden.

Ziel der Wohngruppe ist es, „den Menschen, die durch die Erkrankung auf den gesellschaftlichen Seitenstreifen geraten sind, wieder in der Mitte zu integrieren und sie nicht als Ansammlung von Defiziten zu betrachten“, so Kock. Er wünscht sich mehr Verständnis für die Erkrankung und die notwendige Pflege:

„Alle haben den Film ‚Honig im Kopf‘ geschaut und denken, sie wüssten Bescheid. Ich würde mir wünschen, dass Demenz in seiner Tiefe präsenter wird. Es gibt mehr her für den sozialen Diskurs als für das Samstagabendprogramm.“

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